Oakland Raiders 2019 Draft Analyse: Risk = No Fun

Die Oakland Raiders hatten mit drei 1st Roundern und einem frühen 2nd Rounder im NFL Draft 2019 die Chance auf einen Franchise-definierenden Umbau. Das Resultat der beiden Tage ist eher unterwältigend.

Die Raiders-Ausbeute?

#4 EDGE Clelin Ferrell (Clemson)
#24 RB Joshua Jacobs (Alabama)
#27 S Jonathan Abram (Mississippi State)
#40 CB Trayvon Mullen (Clemson)

Originelle Einschätzung: Mike Mayock und Jon Gruden haben im Scouting zumindest das National Championship Game angeschaut: Zweimal Clemson, einmal Alabama.

Auch: Kein Quarterback. Derek Carr rulez.

Und: Hoher Leistungs-Floor ist wichtiger als grandiose Upside.

Und ansonsten?

Wer Positives aus dem Raiders-Draft saugen will, der sieht in den gedrafteten Spielern vergleichsweise „sichere“ Picks – alles Spieler, die bereits auf relativ hohem Level bewiesen haben, dass sie es können. Ferrell, Jacobs, Abram, Mullen – sie alle gelten als „pro-ready“, Spieler, die man nicht zwei Jahre lang einlernen muss ehe man sie zum ersten Mal auf ein NFL-Feld schicken kann.

Von Mayock und Gruden auch betont: Es handelt sich bei allen Vieren um charakterstarke Führungsspieler, denen Artgenossen folgen, deren Wort Gewicht hat. Man erinnert sich an das Bob Quinn’sche Culture Building. Von wegen Raiders sind wilde Typen.

Doch andererseits…

…wie willst du von dir behaupten, charakterstarke Teams bauen zu wollen, wenn du auf der anderen Seite Chaoten wie Vontaze Burfict einkaufst, oder Typen wie Richie Incognito, der sich einst brüstete, Teamkollegen zu pikieren und als Leader eines Mobbingskandals in Erscheinung trat, in der Free Agency umwirbst?

Doch da Phrasen von wegen Culture bilden meist das Papier nicht wert sind auf das sie gedruckt werden, konzentrieren wir uns in dieser Serie in erster Linie darauf, welche Spieler die Raiders mit ihrer satten Munition drafteten.


#4 Overall – Ferrell kam so früh im Draft vor allem deshalb überraschend, weil wirklich niemand Ferrell als legitimes Top-10 Talent gesehen hatte. Ein guter, solider 1st Rounder, ja. Auf fast allen Boards. Ein relativ hoch entwickelter Spieler, der nicht lange brauchen wird um zu spielen – ebenso. Das Problem an Ferrell liegt nicht im Athleten selbst – es liegt im „Value“ des Picks: Draften ist nicht bloß das Ziehen von Spielern, sondern auch das Abschätzen des Spielerwertes für andere Mannschaften.

Ich kann von, sagen wir, Oshane Ximines voll überzeugt sein, dass er der beste Spieler im Draft wird. Aber ich sollte ihn trotzdem nicht an #1 ziehen, wenn ich weiß, dass niemand anderes ihn so hoch einschätzt. Ich bekäme an #1 zwar „meinen“ Spieler. Aber ich zahle die Opportunitätskosten in Form des Verzichts auf ein anderes Top-Prospect, wo ich Ximenes auch noch in Runde 3 sicher bekomme.

Der Fall Ferrell ist vielleicht nicht ganz so extrem wie unser hypothetischer Fall Ximenes. Doch einer der wichtigsten Faktoren für die Einstellung Mayocks als Raiders-GM war seine Vernetzung in der Welt der Medien und Entscheidungsträger. Sollten nicht alle Pre-Draft und Post-Draft Kommentare komplette Lügen gewesen sein, so gab es kein weiteres Team in den Top-10, das Ferrell so hoch gezogen hätte. Die Raiders hätten ihn also auch deutlich später bekommen können.

Wir hätten also einen wesentlichen Pluspunkt „pro Mayock“ entkräftet: Sein Insiderwissen durch jahrelang aufgebaute und gepflegte Kontakte quer durchs Land. Er hat es schlecht bzw. überhaupt nicht genutzt.

Es kann natürlich sein, dass die Raiders versuchten, einen Trade-Down einzufädeln und ganz einfach keinen Abnehmer fanden. Das wäre ein Fall von „scheiße gelaufen“. Doch alle Zeichen deuten darauf hin, dass Oakland gar keinen Trade versuchte. Sie zogen einfach Ferrell, putzten Mund ab, machten weiter. Für gewöhnlich ist das keine gute Draft-Strategie. Gerade mit Blick auf den zweiten Raiders-Pick würde ich im Ferrell-Fall kein Im Zweifel für den Angeklagten gelten lassen.


Jacobs an #24 ist „Runningback in der 1ten Runde“. Wer auf diesem Blog länger als eine Woche mitliest, weiß, was ich von so einem Pick halte. Gruden & Mayock auf die Strafbank.

Zu Abram an #27 habe ich keine Meinung – ein Safety/Cornerback Hybrid ist in der gegenwärtigen NFL grundsätzlich keine schlechte Idee. Auch hier bleibt festzuhalten: Lieber mit Abram den unspektakulären, sicheren Pick genommen als mit einem FCS-Prospect wie Adderley den aufregenden, aber ungewisseren.

Zweite Runde – Den hünenhaften, aber in der Deckung etwas fragwürdigen CB Mullen bekam man nach Trade-Down an #40. Überraschend war, dass Mullen vor Leuten wie Greedy Williams oder JoeJuan Williams ging. Auch hier gilt wie bei Ferrell oder Abram: Mullen ist der „Charakter-Pick“. Kein Risiko eingehen, den Mann vom besten College-Team nehmen.

Was hätte sein können, und was sein wird

„Overdrafted“ war im Prinzip das Stichwort bei allen vier Raiders-Pick in der 1ten und 2ten Runde. Das bedeutet nicht, dass alle vier schlechte Spieler werden – es bedeutet lediglich, dass Oakland nicht optimalen Gegenwert für die eingesetzten Ressourcen bekam.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Gruden/Mayock alle vier später hätten draften können als sie es getan haben. Das hätte zwei positive Effekte gehabt:

  • Billigere Verträge
  • Möglichkeit, per Trade-Down noch mehr Wert abzustauben

Alle Spieler können mich widerlegen, können ab Herbst ihren Wert unter Beweis stellen. Doch trotzdem bleibt am Ende des Drafts festzustellen, dass Oakland aus vier Top-40 Picks – einem potenziellen Franchise-verändernden Draftkapital! – erstaunlich wenig machte. Was den Wert der Spieler anging. Und auch, was den Wert der Positionen anging.

Runningback in Runde 1 zeigt bedenklich wenig Gefühl für das, was in der heutigen NFL wichtig ist. Dass Gruden/Mayock zitterten wie Espenlaub und sich danach freuten wie Kleinkinder, Zugriff auf Jacobs bekommen zu haben, zeigt, dass sie diesen Runningback von Beginn an im Visier hatten. In einem Draft, in dem man die Franchise auf Jahre auf neue Beine stellen will, draftet man keine 1st-Round Runningbacks.

Damit beschließen wir eine merkwürdige Raiders-Offseason: Ein fantastischer Start in die Free Agency nach so vielen geäußerten Zweifeln, gefolgt von einem ungenutzten Draft. Nun geht man mit der Combo von „Short-of-the-Sticks“ QB Derek Carr, einem RB Jacobs, der mit vielen Carries in die Mauer gefüttert werden will, und deep threats wie Antonio Brown oder Tyrell Williams in die neue Saison.

Es hätte so schön sein können. Jetzt bleibt den Raiders die Hoffnung, dass im Herbst alles anders kommt als man denkt.

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2 Kommentare zu “Oakland Raiders 2019 Draft Analyse: Risk = No Fun

  1. Annahme: „Sichere Picks“ sind genauso wenig „sicher“ wie reine Upside-Picks.

    Könnte mal jemand eine Studie machen wie viel Wahrheit dahinter steckt?

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