Die Linebacker im NFL-Draft 2013

Drittletzter Teil der großen Previewserie für den NFL-Draft mit den Linebackern, einer Gruppe von Leuten, die ähnlich der Defensive Line extrem vielfältige Positionen und Aufgaben zugewiesen bekommen können. Der Footballsport ist in konstantem Wandel, und aktuell geht das dahin, dass jahrzehntelang gewachsene Positionsbezeichnungen schön langsam aufgebrochen werden. Im Kern gibt es den Inside Linebacker und den Outside Linebacker. Erstere arbeiten vor allem im Gewühl, müssen das Geschehen vor sich beobachten und in erster Linie vieeeeeeele Tackles setzen. Letztere sind vermehrt zuständig für Passrush. Beide müssen technisch saubere Tackles setzen und in der Deckung zumindest Tight Ends kontrollieren können.

Inside Linebackers

Prospects 2013

Name                  Rd
Alec Ogletree         1
Kevin Minter          1-2
Manti Te’o            1-2
Jon Bostic            2-3
Kiko Alonso           2-3
Kevin Reddick         3-4
A.J. Klein            4-5
Steve Beauharnais     5-7
Nico Johnson          5-7

Mayocks Top-5

1 - Te’o
2 - Minter
3 - Ogletree
4 - Bostic
5 - Alonso

Der Wirbel um Manti Te’o und den Schwindel mit seiner Phantom-Freundin hat sich etwas gelegt und die Geschichte wirkt abgelutscht. Bei Te’o ist man mittlerweile dahin gegangen, nur noch einen ordinären Spieler zu sehen, zu langsam, zu wenig dynamisch für einen wirklich hohen Draftpick, weil er nicht mehr als die „Standard“-Downs spielen kann (also die, wo der Gegner maximal drei Anspielstationen am Platz hat). Dummerweise geht der Trend der NFL dahin, dass immer öfters vier und mehr Ballfänger am Platz stehen, weswegen die Linebacker der Güteklasse Te’o stark an Wert verlieren.

Man ist sich einig, dass Alec Ogletree ohnehin das bessere Prospect als Te’o ist: Ogletree kommt von Georgia und ist ein ehemaliger Safety und als solcher viel schneller, wendiger als ein Te’o. Für einen Ogletree gibt es in der NFL viele Einsatzgebiete, innen und außen, aber wir haben, wie bei so vielen Prospects, zwei saure Kirschen in der Suppe: Zum einen tackelt Ogletree nicht; er hittet. Mit der Schulter voran – ein klassischer Safety-Tackle. Linebackers müssen aber häufig größere, schwerere Jungs zu Boden bringen als Safetys. Und zum anderen ist die Person Ogletree nicht von allen Zweifeln befreit: Trinkt gerne einen über den Durst, steigt dann ins Auto und ist deppert genug um sich auch noch von der Polizei anhalten zu lassen.

Wer es etwas ruhiger haben will und einen intelligenteren Spieler haben will, greift eher zu Kevin Minter (von Louisiana State): Der ist etwas langsamer, aber erfahrener als Ogletree. Noch langsamer, um nicht zu sagen: zu langsam, ist Chase Thomas von Stanford, wie alle Athleten von dort ein Brocken mit zwei Meter Armdurchmesser. Thomas ist nicht antrittsschnell genug und gilt nur noch als Option für die späten Runden.

Ein faszinierendes Multitalent ist Arthur Brown von der Kansas State University: Rocker, Schauspieler, Footballer. Brown musste sich Fragen gefallen lassen ob seiner Heimweh-Plärrerei (kam aus Kansas, ging nach Miami, fühlte sich dort allein, ging wieder zurück nach Kansas), tourt aber im Gegenzug mit seiner Band durch die Welt und steht in Hollywood vor der Kamera. Arthur Brown gilt als klassischer „Weakside Linebacker“: Mag es nicht, in jedem Spielzug geblockt zu werden, aber die WLBs haben oft freie Bahn, müssen nur wendig genug sein um viele, viele Tackles zu setzen und mit Freelancing die eine oder andere Interception zu fangen.

Outside Linebackers

Prospects 2013

Name                  Rd
Dion Jordan           1
Barkevious Mingo      1
Jarvis Jones          1
Arthur Brown          1-2
Khaseem Greene        2
Jamie Collins         2-3
John Simon            3
Cornelius Washington  3
Sio Moore             4-5
Gerald Hodges         4-5
Michael Buchanon      4-5

Mayocks Top-5

4-3 OLB

1 - Jones
2 - Brown
3 - Moore
4 - Greene
5 - Simon

3-4 OLB

1 - Jordan
2 - Mingo
3 - Collins
4 - Buchanon
5 - Lemonier

Die Musik spielt um drei Jungs. Der allerbeste im College Football war Jarvis Jones, OLB der Georgia Bulldogs und an guten Tagen mit seinem Antritt ein absolut dominanter Spieler. Es gibt allerdings Fragen, inwiefern der etwas klein gewachsene Jones sich in der NFL behaupten kann: Die Offense Tackles sind heute auch schon wendig genug und kräftig sind sie alle, und Jones hatte seine besten Tage, wenn er relativ frei Bahn zum Quarterback hatte. Dann ist er unaufhaltsam, aber das sind dann viele andere Spieler auch. Was man an Jones mögen muss, ist seine Vielseitigkeit und seine stete Einsatzbereitschaft. Was abschreckt, ist sein angeborener Wirbelsäulenfehlwuchs („Spinale Stenose“).

Weniger ausgereift, dafür aufgrund des Körperbaus (beide über 1,93m) möglicherweise bessere Prospects für die NFL sind die beiden anderen Jungs: Dion Jordan von der University of Oregon und Barkevious Mingo von LSU.

Es mag Ironie der Geschichte sein, dass mit Jordan ausgerechnet ein Abwehrspieler der höchst gedraftete Oregon Duck der Ära Chip Kelly sein könnte. Jordan ist ein Schlaks, war ursprünglich als Tight End gedacht, bewegte sich wie ein Wide Receiver – und wurde von Kelly als OLB in die 3-4 Verteidigung gestellt. Während man im ersten Moment sofort an „Passrusher“ denken möchte, galt Jordan in erster Linie stets als Deckungsspieler, der sich im freien Raum sicher zu bewegen weiß. Gen Quarterback geschickt wurde er vergleichsweise selten, soll dabei aber starke Eindrücke hinterlassen haben. Jordan gilt als sicherer Top-10 Pick, und gar einige sehen in an #2 nach Jacksonville oder an #4 nach Philadelphia gehen.

Barkevious Mingo, genannt Keke, ist etwas kleiner, schmächtiger als Jordan, dafür schneller aber nicht so flexibel. Mingo ist eigentlich ein richtiger Defensive End, der aber für die NFL zu schmächtig sein könnte. Deswegen möchte man ihn umlernen auf 3-4 OLB, wo er zunächst Bruce-Irvin-like eingeschult wird, als Spieler in klaren Passsituationen auf den Quarterback geschickt wird. Mingo wird so schnell kein „Spieler für alle drei Downs“ sein, wie man so schön sagt. Sehr positiv klingt immer wieder durch, welch bodenständiger Kollege er denn sei, demütig, lernbegierig, ganz anders als so viele seiner Teamkollegen bei LSU, wo die eine Hälfte teilzeitlich im Knast ist, die andere sich in den Nachtclubs entweder die Birne zudröhnt oder sich wahlweise gegenseitig einschlägt.

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Ein Kommentar zu “Die Linebacker im NFL-Draft 2013

  1. Brown würde ich ganz gerne bei den Ravens sehen, Minter fänd ich auch nicht so schlecht. Fraglich ob beide an Position 32 noch zu haben sind, den Bedarf für einen ILB hat Rolando vorgestern ja prima wiederhergestellt.

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