Der längste Sonntagsvorschauer der Saison 2015/16

Im Power-Ranking unter der Woche schloss die AFC South mit einem durchschnittlichen Wert von knapp 35% WP auf neutralem Platz gegen eine neutrale Mannschaft ab. Das ist so bodenlos schlecht, dass es sogar die NFC West der Jahre 2008-2010 in den Schatten stellt.

Die Chance ist hoch, dass diese Division ein Team mit negativem Record in die Playoffs hieven wird. Die Colts sind mit 3-5 der überlegene Spitzenreiter (2-0 Division-Bilanz). Heute wartet für die Colts im Galopp Pony gegen Rennpferd der Denver Bronco und damitdie nächste Abreibung. Morgen wird der Divisions-Leader der AFC South eine .333 Bilanz haben.

Und trotzdem ist das System NFL richtig. Trotzdem gehört jeder Divisionssieger in die Playoffs. Mit der Aufteilung der Conferences in je vier (statt wie früher 3) Divisionen wurde die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die NFL alle paar Jahre eine Freak-Division stellt. Unter den gegebenen Voraussetzungen finde ich es auch die „logischste“ Entscheidung, jeden Divisionssieger zumindest ein Heimspiel absolvieren zu lassen.

Die NFL ist extrem erfolgreich. Die NFL ist gewissermaßen zutiefst „ungerecht„. Die NFL ist wahrscheinlich so erfolgreich, weil sie so absurd ungerecht ist.

Frühschicht um 19h

Alle Spiele des Wochenendes wie immer live im Gamepass.

  • Carolina Panthers – Green Bay Packers (P7 Maxx)
  • New England Patriots – Washington Redskins
  • New Orleans Saints – Tennessee Titans
  • Buffalo Bills – Miami Dolphins
  • Minnesota Vikings – St Louis Rams
  • New York Jets – Jacksonville Jaguars
  • Pittsburgh Steelers – Oakland Raiders

Sportlich hochwertigste Ansetzung des Tages: Carolina Panthers vs Green Bay Packers. Die Packers wurden letzten Sonntag in Denver komplett abgewürgt zu einem Grad, wo schon wieder Stimmen laut wurden, die den Packers Softies vorwarfen. IMHO eine gewagte Anschuldigung: Nicht viele Mannschaften können wie Denver gleichzeitig Passrush, Spy und Deckung spielen und den Angriff damit allein QB-zentriert machen.

Carolina zum Beispiel besitzt eine hervorragende Front Seven, hat aber trotz CB Norman und FS Coleman nicht das Format an Defensive Backs wie Denver. Und Carolina ist die zweitbeste Pass-Defense nach acht Wochen: 5.2 NY/A. Dennoch traue ich den Panthers nicht wirklich ein Kunststück wie letzte Woche den Broncos zu. Zu instabil wirkt das Backfield.

Tippen fällt hier schwer. Carolina traut man noch immer nicht so recht übern Weg. Green Bay wirkte wochenlang zwar glanzlos, aber dennoch mächtig… bis sie in Denver zu Zwergen gestutzt wurden. Die NFC entwickelt sich zu einer kompletten trüben Suppe, in der Freund und Feind kaum mehr zu unterscheiden ist. Insofern: Keine Ahnung, wie diese Partie sich entwickeln wird. Aber ihr Ausgang könnte in Sachen Playoffrennen und Heimvorteil schon immsende Auswirkung haben.


Pittsburgh (4-4) gegen Oakland ist ein NFL-Klassiker, bei dem man sofort an Terry Bradshaw, John Madden und die 1970er Jahre denkt, die von diesen beiden Franchises maßgeblich geprägt wurden, u.a. mit mehreren epischen Playoff-Schlachten wie Immaculate Reception oder das AFC-Finale 1976/77 denkt.

Heute ist das Duell zwischen Steelers und Raiders glaube ich zum ersten Mal seit ich denken kann wieder sowas ähnliches wie ein relevantes Spiel, was natürlich an der mittlerweile fast 15-jährigen Dürreperiode der Raiders liegt.

Auffälligste Entwicklung in Oakland ist natürlich die schnelle Entwicklung der Pass-Offense, aber man sollte die Abwehr nicht vergessen. Die Raiders stellen eine der verlässlichsten Run-Defenses der Liga und sind in der Pass-Defense mittlerweile auch halbwegs verlässlich: 6.4 NY/A sind im Liga-Mittelfeld klassiert. Neben dem aufgemotzten Passrush um den jungen OLB #52 Mack scheint auch die Secondary langsam zueinander zu finden. Ein CB #25 Hayden, nun jahrelang als Flop gehandelt, sieht diese Saison zum Beispiel 94% der Defense-Snaps.

Drum herum bilden FS Woodson (96%), der in Washington gefeuerte CB David Amerson (62.5%), DB Carrie (83%), CB Thorpe (58.5%) und Larry Asante (53%) den Kern. Vor allem Amerson gilt als Überraschung nach einer sehr verunglückten Zeit bei den Redskins.

In Pittsburgh betrauert man den Langzeitausfall von RB Bell und hofft nun, dass der RB-Grufti #34 Williams noch einige letzte gute Wochen im Tank hat. Williams sah für meinen Geschmack diese Saison auch nie so übel aus wie er oft gemacht wurde, aber im Vergleich zu einem Bell ist er natürlich eine ganze Latte eindimensionaler. Die Steelers werden also wieder QB-fokussierter werden. Sprich: QB Roethlisberger wäre gut beraten, wenn er fitter als letzte Woche an den Start geht.


Bills vs Dolphins ist für beide ein eminent wichtiges Spiel um im AFC-Wildcardrennen mit drin zu bleiben. Vor allem Miami ist mit seiner 0-3 Bilanz in Divisionsspielen fast schon verdammt zum Siegen. Die Bills dagegen schauen von Woche zu Woche banaler aus. Selbst die anfänglich als „Qualitätssiege“ gehandelten Dreier über Indianapolis oder Miami werden nur noch als billige Operetten wahrgenommen.


Die Saints letzte Woche mit einem beispiellosen Shootout gegen die Giants, dem 2t-punktreichsten Spiel der NFL-Geschichte. Heute steht ein Tennessee auf dem Programm, das unter der Woche Head Coach Ken Whisenhunt nach nur 23 Spielen und 3-20 Bilanz gefeuert hat und ergo entweder in Auflösungserscheinungen oder im jetzt-erst-recht Modus aufläuft.

Whisenhunt mag nach seinem unglücklichen Ende in Arizona und seiner verheerenden Bilanz in Tennessee als Headcoach verbraucht sein und seinen Namen als Coach angekratzt sehen. Über die Trennung habe ich schon unter der Woche geschrieben. Von Whisenhunt werden mir aber immer drei Dinge in positiver Erinnerung bleiben:

  1. Die schnelle Entwicklung von QB Roethlisberger, die die große Steelers-Franchise wieder auf den nationalen Radar brachte.
  2. Der faszinierende Playoff-Run mit Arizona, als Whisenhunt mit dem greisen QB Kurt Warner einen ewigen Underdog bis auf wenige Sekunden an die Vince Lombardi Trophy geführt hat.
  3. Die Revitalisierung der Karriere von QB Philip Rivers, der 2013 als Totgesagter unter OffCoord Whisenhunt ein Comeback wie einst Lazarus hinlegte.

Man sollte das nicht vergessen, wenn man über Ken Whisenhunt lacht.


Minnesota Vikings vs St Louis Rams ist das Aufeinandertreffen des bekanntesten Runningbacks der Gegenwart, Vikes-RB Adrian Peterson, und dessen vermeintlichen Nachfolger, Rams-RB Todd Gurley. Gurley ist nach Kreuzbandverletzung erst seit einem Monat wieder einsatzberechtigt, hat seither aber immer mindestens 120yds erlaufen und sich als Motor der Offense erwiesen. Seit Petersons Raketenstart 2007 hat kein Rookie-Runningback mehr die Liga so im Sturm genommen.

Eindrucksvoll an Gurley ist nicht nur seine Wucht, mit der er Verteidiger abprallen lässt. Vielleicht noch beeindruckender ist Gurleys Fähigkeit, Phantom-Löcher zu sehen und zu finden. Scouts nennen das „Vision“. Ob es sich dabei um tatsächlich gute Intuition bei Gurley oder um ein vierwöchiges Zufallsprodukt handelt, wird sich zeigen. Vielversprechend ist der Einstand allemal.

Anderer Kriegsschauplatz: Mit wie vielen Sacks wird die Rams-DL die verheerende Vikes-OL zerlegen. Um den schmächtigen QB Bridgewater muss einem angesichts dieses extremen Mismatches ganz Angst und bange werden.

Spätschicht ab 22h

  • Tampa Bay Buccaneers – New York Giants (22h05)
  • San Francisco 49ers – Atlanta Falcons (22h05)
  • Indianapolis Colts – Denver Broncos (22h25, P7 Maxx, PULS 4)

Indianapolis (3-5) vs Denver (7-0) ist natürlich das Peyton-Manning Spiel. Über Manning habe ich schon am Freitag einige Gedanken verfasst. Wenn die Partie angepfiffen ist, dürften zudem im Fokus stehen:

  • Colts-Offense: Wie kalt wird Denvers Monster-Defense den „neuen Manning“ Andrew Luck heute abwürgen?
  • Broncos-Laufspiel: Indianapolis tritt ohne Run-Defense an. Aber kann Denvers bislang fußlahmes Laufspiel das überhaupt für sich nutzen?

Indianapolis tritt weiter mit einem angeschlagenen Andrew Luck an und hat heute seinen ersten Auftritt ohne den unter der Woche gefeuerten OffCoord Pep Hamilton. Es gibt in dieser Partie hinreichend viele Faktoren, die eine Abwendung vom Skript hervorrufen können, aber wenn es tatsächlich „normal“ läuft, läuft es heute auf eine beispiellose Prügelattacke auf Lucks geschundenen Körper hinaus – und nicht allzu viele Punkte. Denver kann prinzipiell einen ähnliche Matchplan fahren wie letzte Woche gegen die Packers.

Wer will, mag den Zustand der aktuellen Colts noch immer mit Peyton Manning in Verbindung bringen, denn seit der Trennung nach Mannings Nackenverletzung 2012 ist in der Franchise der Colts nichts mehr wie es war: Das neue sportliche Regime um GM Grigson fuhr den Karren sportlich gegen die Wand. Auch im kompletten Front Office macht die Organisation keine gute Figur: War Indy Zeit Lebens (zumindest Zeit meines Lebens) immer ein Hort der Ruhe, werden seit Grigsons Einstellung in schöner Regelmäßigkeit scheinbar unnötige Kriegsschauplätze aufgemacht – beginnend mit Mannings unwürdigem Abgang.

Seit Mannings Abgang regiert offenes Chaos, und wenn Owner Irsay mal wieder betrunken Tweets versendet die Trent Richardson als größtes Talent auf der anderen Hälfte der Weltkugel anpreist und GM Grigson öffentlich unterstützt Coach Pagano in den Senkel stellen kann und das alles in einem Pfeifkonzert gegen den schwer angeknockten Franchise-QB Luck im Stadion endet, sind Indianapolis und sagen wir Oakland nicht mehr voneinander zu unterscheiden.

Lucks Vertrag läuft nach Ende der Saison 2015 aus. Die Colts können eine teamseitige einjährige Option ziehen, die Luck bis zumindest Anfang 2017 an sich bindet. Wäre ich Luck, würde ich mir ernsthaft beginnen zu überlegen, ob ich den Rest meiner Karriere an diesem Ort verbringen will oder ob ich beginne Maßnahmen in die Wege zu leiten um früher oder später einen Abgang zu erzwingen.


Jameis Winston-Watch bei Buccs vs Giants, wo der #1 Draftpick auf eine Pass-Defense trifft, die letzte Woche einen Alptraum allererster Güte erlebte und von QB Brees mit über 500yds und 7 (!) Touchdowns zerlegt wurde. Winston bewegt die Ketten heuer mit ca. 7 NY/A (guter Wert) und hat in den letzten Wochen auch seine Fehlerquote drastisch reduziert.

San Francisco vs Atlanta war vor zweieinhalb Jahren eine mit Haut und Haaren geführte NFC-Finalpaarung. Viel von beiden Mannschaften von damals ist nicht mehr übrig. Atlanta ist ordentlich in die Saison gekommen (6-1 Siege), aber die Leistungen der letzten 3-4 Wochen waren bestenfalls durchwachsen.

San Francisco zündete unter der Woche die Nuklearbombe: QB Kaepernick auf die Bank, der schlechteste Quarterback der letzte Jahre (Tebow inklusive) Blaine Gabbert rein. Die 49ers hätten einmal die Welt zurückerobern können. Und auch wenn das Unvermeidliche passiert und Gabbert sich in zwei Wochen wieder selbst auf die Bank gespielt haben wird: Die Implosion der 49ers ist damit komplett.

Sunday Night Game ab 2h30

  • Dallas Cowboys – Philadelphia Eagles (SPOX.com, SPORT1 US)

Unter der Woche veröffentlichte die Klatsch-Seite Deadspin eine Fotoserie reich an blauen Flecken: Es handelt sich um die blauen Flecken von Nicole Holder, Ex-Freundin von Greg Hardy, und von selbigem vor eineinhalb Jahren windelweich geprügelt.

Faszinierend an der Veröffentlichung ist der Aufschrei in den Medien und auf Twitter, wo vehement eine Entlassung von Hardy gefordert wird. Haben wir wirklich den Bildbeweis gebraucht um zu verstehen, dass Hardy ein Arschloch ist?

Dallas heute mit Heimspiel. Sollte Hardy spielen, bin ich auf die Reaktion des Publikums gespannt.


Zum Sportlichen. Die NFC East bleibt sperrangelweit offen, weil keines der vier Teams einen Durchbruch zu schaffen imstande ist. Dallas hatte in den letzten Wochen beherzte, teilweise gute, Auftritte und brachte mit den Giants und Seattle zwei potenziell gute Teams an den Rand einer Niederlage… aber eben nur an den Rand. Für mehr reichte es nicht. Der letzte Verzweiflungs-Drive gegen Seattle brachte dich zur Verzweiflung. Das wäre mit Tony Romo nicht passiert.

Dallas ist insofern eine der tragischen Geschichten von 2015. Mit Romo an der Front könnten wir den Ausgang der Division schon jetzt abhaken. Aber wir leben in einer Welt ohne Romo bis zumindest Anfang Dezember, und Dallas hat seither kein Spiel gewonnen, ist nur noch 2-5 und riskiert mit einer weiteren Niederlage heute endgültig den Anschluss zu verlieren.

Ich würde gerne Headcoach Garrett einige Schuld in die Schuhe schieben, aber Garrett machte das mit dem Playcalling bislang nicht so schlecht. Die QBs Cassel und Weeden geben eben nicht mehr her. Und mit zwei positiven Plays mehr hätte Garrett zumindest eine 4-3 Bilanz und alles wäre noch im gelb-grünen Bereich.

Philadelphia kommt aus der Bye-Week. Bei den Eagles läuft es mittlerweile in der Offense runder als zu Saisonbeginn, aber es reift langsam die Erkenntnis, dass die Idee mit QB Sam Bradford dann doch nicht so großartig war wie ursprünglich angenommen.

Monday Night Game

Nacht auf Dienstag, 2h30

  • San Diego Chargers – Chicago Bears (SPOX.com, SPORT1 US)

Ein Monday Night Game für die goldene Ananas.

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4 Kommentare zu “Der längste Sonntagsvorschauer der Saison 2015/16

  1. Oakland ist besser geführt als Indianapolis:
    – Sie beschützen die Zunkunft ihres jungen QB’s und zentralen Bausteins, indem sie ihm eine O-Line zur Verfügung stellen.
    – Ihre Offense ist multidimensional, weil sie auch ein Laufspiel haben, die Colts hatten sit beinahe 50 Spielen keinen 100-Yard- Rusher
    – Das Verhältnis zwischen GM und Coach ist gut, es dringen keine Interna nach außen.
    – McKenzie ist ein besserer GM als Grigson
    – Sie haben eine fähige Defense mit massig jungen Talenten.
    – Sieb haben im nächsten Jahr 72 Millionen Dollar Cap Space und einen besseren Record als die Colts in einer schwereren Division.
    – Ihr Owner ist zwar (relativ) arm, schlecht Frisiert und ihr Stadion ist eine alte Bruchbude, aber immerhin Tweetet er nicht öffentlich besoffen Interna, hat ein Drogenproblem und eine seiner Affären ist in seinem Haus, welches mit Club-Geld bezahlt wurde, den Drogentod gestorben:
    „On March 16, 2014, Irsay was arrested under suspicion of DUI and drug possession in Carmel, Indiana.[9][10] According to Indianapolis Star sports columnist Bob Kravitz, Irsay had had an ongoing drug problem.[11] This was highlighted when it was later revealed that Irsay’s mistress, Kimberly Wundrum, had overdosed and died in a house that Irsay controversially purchased with money belonging to the Indianapolis Colts“

  2. Pingback: Liveblogging von Woche 9 | NFL 2015/16 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Mit der Verletzung Teddy Bridgewaters hattest Du leider recht. Hellseherisch förmlich. Blaine Gabbert sieht aber absolut gar nicht schlecht aus…

  4. Oakland ist echt gut geführt… 2015 wird das 13. Jahr in Folge ohne Playoffs! Respekt, da können wirklich nur die Browns mithalten.

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