Chip Kelly: Ohne Huddle entlassen

Er ging so schnell wie seine Offense: Chip Kelly wurde gestern Nacht einen Spieltag vor Schluss als Coach und GM der Philadelphia Eagles entlassen. Der Move kommt nicht völlig unvorbereitet, aber doch überraschend.


Ich habe in den letzten Jahren oft darüber geschrieben, warum ich Chip Kelly für ein faszinierendes Projekt halte. Coach Kelly ist ein Innovator vor dem Herrn. Seine Ideen werden die NFL über kurz oder lang einnehmen.

Kelly bekam vor einem Jahr die volle Kontrolle über die Mannschaft. Auch wenn ich es prinzipiell für eine gute Idee halte, diesen Spread-Gurus auch Kontrolle im Personalbereich zu geben, wies ich damals vor allem auf die Risiken hin, einen unerfahrenen Kelly mit der Macht eines Belichick auszustatten.

Die erste Offseason unter Kelly war schlecht und kein gutes Omen für die anstehende Saison. Mit zunehmendem Verlauf der Saison kristallisierte sich immer deutlicher heraus, dass das Experiment in die falsche Richtung geht. In den letzten Tagen und Wochen wies Kelly immer stärker die Kritik von sich, deutete mit dem Finger auf andere („GM? Ich bin nicht der GM“). Ein schlechtes Zeichen.

Ich dachte trotzdem, dass Kelly bleiben dürfe. Eagles-Owner Jeffrie Lurie verfällt nur selten in Aktionismus. Dass Kelly nun doch gefeuert wird, sogar zu diesem Zeitpunkt, kommt überraschend aber nicht völlig aus heiterem Himmel. Lurie hat die Entscheidung allein getroffen. Er hat sie nicht einmal mit Chip Kelly diskutiert. Er hat ihn einfach über die Klinge springen lassen.


Kelly wurde am Ende wohl eine Kombination vieler kleiner Versagen zum Verhängnis. Das sportliche Resultat war nicht gut. Aber darüber schaust du hinweg, wenn die Richtung stimmt. Aber der Tendenzpfeil deutete eher in die falsche Richtung.

Kelly galt als abweisender Typ, der sich nicht lange um Beziehungen in der Eagles-Familie scherte. Wenn Ergebnisse und Richtung nicht stimmen, brauchst du Beziehungen im Geflecht um dich zu halten. Kelly hatte sie nicht. Das wurde ihm letztlich zum Verhängnis.


Und nun zur Ironie in der Geschichte.

Für Chip Kelly könnte die Entlassung der „Best Case“ sein. Der halbe College Football liegt ihm zu Füßen, und sollte er – wie er schon verkündete – seine Zukunft tatsächlich in der NFL sehen, wird Coach Kelly nicht mehr über Chip Kelly, den General Manager, stolpern.

Die Philadelphia Eagles dagegen stehen vor einem Scherbenhaufen. Kellys schlechte Personalarbeit führt zu einem ausgehöhlten und attraktiven Trainerkandidaten schwer verkäuflichen Kader. Ein Kader, der in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem schlechteren Trainer gecoacht wird.


Siehe zum Thema auch die intensiven Diskussionen im Power-Ranking Eintrag dieses Blogs sowie die Analyse von Sheil Kapadia bei ESPN.

4 thoughts on “Chip Kelly: Ohne Huddle entlassen

  1. Vor allem der Bradford-trade bleibt für mich das große Mysterium. Er ist nicht schlechter als Foles, aber der Preis macht es und dann muss man ihn fragen, ob er ihn wirklich als seinen Franchise-Quarterback gesehen hat!?

  2. Wenn man sich die QB-Deals in den letzten Jahren anschaut, ist der Bradford Deal nicht der schlechteste: Colb nach Arizona, McNabb nach Washington/Minnisota, Cutler nach Chicago, RGIII nach Washington, Palmer nach Oakland, usw. da sieht der Bradford Deal gegen einige von den Deals noch vernünftig aus.

    Was mir bei dem ganzen Chip Thema extrem auffällt ist die weinerliche Mentalität der Eagles Spieler. Klar war Chip kein Kumpeltyp, aber es ist ein professionelles Geschäft und es ist nicht immer Friede, Freude und Eierkuchen. Das scheinen einige nach 15 Jahren Big Red nicht verstanden zu haben.

    Ein Chef ist nicht ein guter Chef weil er jeden Tag im Gang freundlich lächelnd grüßt und jedem Die Hand schüttelt, sondern weil er auch die toughen Entscheidugnen trifft die nicht immer allen gefallen aber eine Organisation weiter bringen. Chip hat viele toughe Entscheidungen getroffen, nicht alle waren glücklich, aber viele (bis auf den Murray Deal) waren für sich verständlich.

    Brandon Graham sagt es am besten:

    Da wird mir eher schlecht, wenn der Owner nun die Spieler anhören will was sie sich unter gutem Führungsstil vorstellen. Klingt als ob die Murrays den Kampf gewonnen haben.

    Die Eagles sind auch 6-9. Nicht gut aber Cleveland oder Tennessee würden für solche Records töten und Jacksonville wird mit 5-10 als neuestes Breakout Team gefeiert. So schlecht ist es um die Iggles nun auch wieder nicht bestellt wie uns einige zu glauben machen.

    Cool down, Eagle Nation.

  3. Pingback: Sonntagsvorschauer 2015 | Woche 17 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  4. Pingback: Die furchtlose NFL-Vorschau 2016/17 | Das Niemandsland | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s