2020 Divisional Playoffs Preview: Rams @ Packers

Es ist das schönste Wochenende des Jahres! Divisional Playoffs, die acht besten Mannschaften. Dieses Jahr aufgeteilt in Abiball und Ü40-Party:

[6] Rams (11-6) @ [1] Packers (13-3) 

Zum Auftakt müssen die Schönwetter-Rams aus Los Angeles in die Frozen Tundra nach Green Bay. Wetterbericht sagt Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt vorher; gefühlt ca. -5C°; keine Niederschläge. Also alles noch im Rahmen. 

Es gibt hier so viele interessante Match-ups, das man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Auf der einen Seite haben wir die beste Offense gegen die beste Defense (jeweils nach weighted DVOA). Auf der anderen Seite die Quarterback-Frage Goff/Wolford; den sehr seltenen Fall eines Cornerback Islands; und natürlich den bekannten Playoff-Alptraum aller Packers-Fans: ein gegnerische Offense mit starkem Laufspiel (#4 nach DVOA).

Das ist ein ganz großer Cocktail, der hier für die Party-Eröffnung gemixt wird. Aber kein räudiger Long Island Ice Tea aus der Happy Hour, sondern ein exklusiver Champagnercocktail aus einer Bar, in der die Preise ohne Währung angegeben werden. 

Island & Bulldozer 

Fangen wir mal mit der cherry on top an. Green Bays Cornerback #23 Jaire Alexander. Wahrscheinlich der beste Cornerback der aktuellen Saison. Alexander ist einer der ganz wenigen CBs, die über große Strecken eines Spiels einen zugewiesenen Gegenspieler on an island, ganz alleine und ohne Hilfe über das gesamte Feld verteidigen. 

Defensive Coordinator Mike Pettine nutzt diese Qualität von Alexander, um die Hilfe von ihm weg zu schemen. Damit ist nicht nur ein Receiver komplett abgemeldet, sondern irgendwo anders ist ein Verteidiger mehr, den Pettine nutzen kann. Das ist ein Luxus, den zu nutzen Pettine bei den Jets unter Rex Ryan mit Darelle Revis gelernt hat.

Gegen die Rams kann so ein zusätzlicher Defensive Back Verantwortlichkeiten in der Mitte des Feldes haben, die Sean McVays Offense mit Crossers und Dig Routes so meisterhaft zu bespielen weiß. 

Oder es kann ein zusätzlicher Spieler an den Edges aufgestellt werden, um Laufspielzüge in die Mitte zu lenken; oder einfach ein weiterer Spieler in die Box gestellt werden. 

So viel wichtiger das Paßspiel auch als das Laufspiel ist: die schlimmsten Niederlagen der letzten Dekade für die Packers waren das 49ers-Triptychon aus der Hölle: 2012, 2013 und 2019. (Die allerschlimmste Niederlage war natürlich das NFC Championship Game 2014, aber das aus ganz anderen Gründen….).

Letzte Saison ist der Shanahan-Bulldozer dermaßen über die Packers-D drübergewalzt, daß QB Garoppolo nur sechs vollständige Pässe für 37 Punkte benötigte. 2012 und 2013 war es ganz ähnlich, als Colin Kaepernick im Fahrersitz von Greg Romans Bulldozer-Offense saß und Laufspielrekorde aufstellte.

Unverzeihlich wäre es, wenn auch Pettine wie damals DC Com Capers zum Wiederholungstäter würde. Daß Alexanders Qualität on an island eine zusätzlichen Verteidiger verfügbar macht, sollte schonmal helfen. Daß die Rams für’s Paßspiel nur angeschlagene Quarterbacks haben, hilft zusätzlich. 

Der angeschlagene Goff (gebrochener Daumen an der Wurfhand!) hat Dienstag und Mittwoch trainiert, Wolford nicht. HC McVay will sich aber vor dem Spiel nicht öffentlich festlegen, wer das Spiel beginnen wird. Donnerstag abend wurde gemeldet: Wolford ist raus (Halsverletzung); Goff wird starten. Sein Back-up: Blake Bortles.

Unter diesen Vorzeichen sollte man erwarten, daß Pettine einen guten Plan hat gegen den Lauf. Interessant wird sein, ob er sein personell umstellt (diese Saison 50 % aller Snaps in dime, also mit sechs Defensive Backs); oder ob er nicht das wer, sondern das wie ändert: also mehr DBs dichter an der LOS mit mehr Vorwärtsgang und weniger Rückspiegel. …und ob Pettine irgendwann im vierten Viertel verzweifelt wird, weil die Rams so erfolgreich gegen Green Bay laufen können, wie die meisten Mannschaften mit Coaches aus dem Shanahan-/Kubiak-Tree.

Rhythmus Rodgers & Stealth Staley

Aber soweit muß es ja vielleicht gar nicht kommen. What’s wrong with Aaron Rodgers? fragt schon lange niemand mehr. Der mutmaßliche MVP 2020 hat seinen Groove gefunden. Er fühlt sich mittlerweile wohl in LaFleurs System und spielt dessen Noten geradezu lässig perfekt.

Er [Rodgers] ist ein sensibler Freestyler, braucht Sicherheit und Vertrauen und muß irgendwie in einen Flow kommen – und wie er das bekommt, ist nicht ganz klar.

Aus dem Notizblock des letztjährigen NFC Championship Games.

2020 ist er im Flow. Ebenso im Flow ist die Defense von LAs Neu-DC Brandon Staley. Es ist eine Defense, die Fragen aufwirft und fasziniert.

Je mehr man sich mit dieser Staley-Defense beschäftigt, desto klarer wird: das Scheme selbst ist gar nicht so wichtig. Sie spielen alle gängigen Coverages von Cover-3 über Cover-1 Robber bis zu Cover 2 und Quarters Coverage. Alles dabei.

Besonders im Scheme ist nur die eigenwillige Front, in der die Spieler halb 2-gap und halb 1-gap spielen. Das hilft aber vor allem gegen den Lauf mit leichten Boxes. 

Das wirklich besondere ist, wie gut die Spieler in der Secondary aufeinander eingestellt und abgestimmt sind, wie sie Gegenspieler übergeben von einer Zone in die nächste, wie sie sich aufeinander verlassen und sich als Ergebnis dessen auch trauen, aggressiv zu gamblen, versuchen, Routes zu antizipieren und gerne auch mal forsch reinspringen.

Das hört sich recht riskant an. Aber tatsächlich ist das Fundament von Staleys Philosophie ein alter Klassiker: Big Plays verhindern. In dem Profile von Robert Mays erklärt Staley das auch so: zehnmal fünf Yards machen ist schwieriger als einmal 50 Yards zu machen. Es klingt wie Belichick, dessen Patriots ja auch so gut wie immer im Ranking nach Total Yards schlechter abschneiden als in zugelassenen Punkten. 

Die Paßverteidigung funktioniert so gut, weil der Quarterback nach dem Snap immer etwas anderes präsentiert bekommt als vor dem Snap. Die gute Abstimmung der Spieler untereinander ermöglicht es, nach dem Snap sehr viel zu rotieren. Nach dem Snap zu lesen ist für einen QB aufgrund der Spiel-Geschwindigkeit viel schwieriger als vor dem Snap eine Defense zu lesen. 

Nun ist Aaron Rodgers nicht nur hervorragend im Lesen post snap, sondern er hat auch noch zwei andere Trümpfe:

  • Erfahrung gegen Staley/Fangio 
  • Hard Counts

Brandon Staley ist sehr stark von Vic Fangio geprägt. Und wie der Zufall es so will, war Fangio, bevor er Cheftrainer bei den Denver Broncos wurde, vier Jahre lang in der NFC North. In den letzten beiden Jahren hatte er auch seinen Musterschüler Staley mit an Bord. Gegen die Bears 2015-2018 hat Rodgers also viel Erfahrung gegen Fangios System gesammelt.

[Interessanterweise hat Fangio auch eine Verbindung zu Mike Pettine: die beiden haben gemeinsam in Baltimores Staff von Rex Ryan gearbeitet, als dieser dort Defensive Coordinator war (2006-8). Seinen ersten Job als DC hatte Fangio da bereits hinter sich: in den 90ern bei den Carolina Panthers unter Head Coach Dom Capers – dem Vorgänger von Pettine als DC in Green Bay. Und als eben Capers die Packers-Debakel gegen die 49ers 2012 und 2013 verantwortete, war der DC auf der Gegenseite, na klar: Fangio.] 

Zurück zum Punkt: Rodgers hat qua Erfahrung eine recht gute Vorstellung davon, was auf ihn zukommen wird. Und zum anderen hat Rodgers seinen Hard Count zur Meisterschaft entwickelt. Das verschafft ihm immer wieder Free Plays. Aber der größere Vorteil ist natürlich, daß sich oft auch die Defensive Backs bewegen und preisgeben, wohin sie nach dem Snap rotieren wollen.

The same – but different

Es sieht in der Rams-D vor dem Snap meist gleich aus: es gibt zwei tiefe Safeties in der Mitte. Und die beiden Cornerbacks an den Seitenlinien zeigen nicht, ob sie Cover-3, Man Coverage oder die Flat in einer Cover-2 spielen werden.

Sehr wichtig wird selbstverständlich noch das Duell Davante Adams gegen Jalen Ramsey. Vor allem in 3×1-sets, in denen Ramsey und Adams seperat auf einer Seite zum Austoben aufeinander losgelassen werden, sollten viele aufregende Replays bekommen. 

Neben Adams ist #85 „Big Bob“ Tonyan (1,96m) zur zweitwichtigsten Anspielstation von Rodgers geworden. Der Tight End ist mit 11 Touchdowns ein Mr. Zuverlässig. Vielleicht angespornt dadurch hat #83 Marquez Valdes-Scantling zum Ende der Saison immer weniger Bälle fallenlassen. Damit kann Rodgers arbeiten, aber HC Matt LaFleur will auch noch seine eigene Duftmarke setzen.

Nichts gegen Männer, die sich im besten Alter neue Spielzeuge zulegen. Aber so wie dein Nachbar eventuell auch leicht creepy ideas für seine neue Drohne hat, so geht Playcallers in der NFL manchmal ihre Phantasie durch, wenn sie neue gadget players finden.

La Fleur hat im Dezember plötzlich #16 Tavon Austin und #49 Dominique Dafney für sich entdeckt. Austin ist bekannt als ehemaliger 1st-rd pick der Rams, der nie die Erwartungen als „Pocket Rocket“ erfüllen konnte. Und Dafney, der als Fullback, Tight End und H-Back aufgestellt wird, kam als Türsteher zu den Packers: 

Für beide, Dafney und Austin, hatte sich LaFleur in den letzten Spielen Designer-Spielzüge ausgedacht. Ebenso hat 250lbs-RB AJ Dillon zeitweise eine recht große Rolle gespielt. Wenn diese Specials zünden, sieht der Designer aus wie ein Genie. Wenn sie scheitern, sieht man ebenso bedröppelt aus.

Worauf achten?

Also in Kurzfassung: Worauf lohnt sich zu achten? 

  • Welche Post-Snap-Bewegungen kann Rodgers der Rams-D mit seinem Hard Count entlocken? 
  • Können die DBs der Rams Rodgers trotzdem überraschen, indem sie an/in unerwarteten Routen auftauchen? 
  • Ist LaFleur zu cute und versucht zu viel über Dafney, Austin & Co. ?
  • Wie gut halten sich die G/C Patrick-Linsley-Jenkins gegen Aaron Donald (und wie angeschlagen ist er?)? 

Auf der anderen Seite gibt es nur eine wichtige Frage: kann Green Bay den Lauf stoppen? Hört sich als wichtigste Frage komisch an im Kalendarjahr 2021, aber Green Bays Bulldozer-Alptraum sollte endlich ausgelöscht werden – bitte noch bevor Aaron Rodgers‘ Bart grau wird wie der von den Opas, die an diesem Party-Wochenende Sonntagnacht die Rausschmeißer geben werden.

2 Kommentare zu “2020 Divisional Playoffs Preview: Rams @ Packers

  1. Pingback: NFL Divisional Watch | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. Pingback: NFC Divisional Playoffs 2020/21 im Liveblog: Green Bay Packers – Los Angeles Rams | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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