Notizblock Championship Games 2014/15

Das Championship Weekend war dieses Jahr Coaching Weekend. Die AFC wurde bereits in der Vorbereitungswoche gewonnen, bevor Josh Cribbs das erste Mal den Ball an’Kopp kriegen konnte. Die NFC-Krone hat Mister McCarthy mit seinem absolut unfaßbaren in-game management versaut und eine (wahrscheinlich) sehr gute Vorbereitungswoche mit viel Gefühl in den Pazifik geschmissen. Im letzten Rückblick vor dem Super Bowl bekommen hier nochmal die beiden Verlierer ein wenig Meersalz in ihre Wunden.

Colts @ Patriots

Chuck Pagano wußte ganz genau, welche Tapes er sich in der Woche vor dem Spiel anschauen mußte: die seiner letzten beiden Spiele gegen die Patriots. Diese haben seine Indianapolis Colts mit 22 beziehungsweise 35 Punkten Unterschied verloren. Als drittes noch New Englands Spiel gegen die Baltimore Ravens mit den komischen 4-OL-Formationen. Trotzdem kamen dann die Colts scheinbar unvorbereitet an die Atlantikküste gefahren und waren von Anfang an in schwerer Seenot. In diesen beiden Spielen, letztes Jahr in den Divisional Playoffs und diese Saison Mitte November, haben die Pats mit genau zwei Dingen gewonnen: power running und T.Y. Hilton per Doppeldeckung aus dem Spiel nehmen.

Das power running game hat funktioniert, weil Indy keine Antwort auf die Sets mit sechs Offensive Linemen hatte und ihre Linebackers allesamt nicht stark genug sind, Bullen wie LaGarrette Blount und Jonas Gray zu tacklen. Also fängt New England erstmal absolut vorhersehbar damit an, Cameron Fleming als sechsten Linemen aufs Feld zu schicken, plus Michael Hoomanawanui oder James Develin als extra Blocker plus natürlich Rob Gronkowski, und läßt dahinter Blount laufen. Das hat in den letzten beiden Spielen für 480 Laufyards gereicht, also wird sich Indys Coaching Staff dafür natürlich etwas ausgedacht haben, aber: erstmal versuchen, man weiß ja nie.

Tja. Indys Defense hat dann ganz locker erstmal mit Nickel-D angefangen, weil, weil, wartekurz, weil sie Angst vor Randy Moss haben? Oder weil sie gegen Aaron Rodgers spielen? Keine Ahnung. New England hat im ersten Viertel noch ein paar Mal geworfen, bis sie gemerkt haben, daß die Colts das durchziehen. Also hat Josh McDaniels jeden verfügbaren Spieler aufs Feld geschickt, der mindestens 270 Pfund wiegt: neben den fünf regulären Linemen und Gronk hat The Hooman 30 Snaps gespielt, Fleming 29, James Develin 17 und Marcus Cannon neun. Indy hat dann zwar gegen die dicken Formationen schnell auf Base-D umgestellt, aber die Safeties LaRon Landry und Mike Adams haben hinten weiter artig aufgepaßt, ob nicht vielleicht doch noch Randy Moss vorbeikommt.

Am Ende waren es dann 177 Yards und drei Touchdowns bei 40 Läufen. Immerhin den Schnitt von 240 etwas runtergezogen. Es geht einfach nicht in meinen Kopf, wie man ganz gewöhnliche Defense spielen kann, wenn gegenüber sieben OL/TEs, Blount, Julian Edelman und Brandon LaFell (der mehr als 100kg wiegt und ein super Laufblocker ist) stehen und alle Welt weiß, das sie laufen werden. Was soll denn passieren: Hail Mary zu Edelman?

Die Defensive Line der Colts war konstant überpowert, weil sie entweder körperlich unterlegen oder weil sie in Unterzahl waren: drei dicke Defensive Linemen und der gute edge setter Erik Walden stehen sieben Linienspieler gegenübern. LB Jerrell Freeman ist sehr schnell und explosiv, aber nicht besonders kräftig und auch nicht besonders spielintelligent, ständig ist er ins Nichts gesprungen oder aus dem Weg geschoben worden. Rookie OLB Jonathan Newsome wußte gar nicht, was da über ihn rüberrollt (Björn Werner muß schwer verletzt gewesen sein, er ist kein Robert Mathis gegen den Paß, aber er gegen den Lauf hat er ein wenig was von Rob Ninkovich: kräftig, klug und diszipliniert). Und D’Qwell Jackson hat versucht, drei Lücken gleichzeitig zuzumachen und das endet dann immer so wie bei FIFA auf der Playstation, wenn man links vorbeigehen will, nee doch lieber lupfen oder schlenzen nach rechts oder – zack! und schon hat der Torwart den Ball. Oder Blount ein First Down.

Es ist in Indy Defense eben auch das mangelnde individuelle Talent, wie korsakoff schon in seiner kurzen Zusammenfassung direkt nach dem Spiel geschrieben hat. Wie man dann allerdings auf die 4-OL/6-OL-plays reinfallen kann, nachdem dir wahrscheinlich Buschi ganz genau hätte sagen können, was kommt, beyond me. In den vier Spielen gegen die Pats seit 2012: 4 Siege Pats; kombinierter score 189-73; 772 Laufyards. Das heißt Überstunden schieben im Videobunker für Pagano und DC Greg Manusky.

Die Offense immerhin bekommt den Arme-Sau-Pokal. Sie würgen sich immerhin zu einem Touchdown – zwei Drives nachdem Pagano in einem Anfall von akutem McCarthyismus Adam Vinatierei aus 51-Yards gegen Sturm und Sturzbach kicken läßt – und verkürzen auf 14-7 fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff. Dann: FG NE; kneel down zur Halbzeit; TD NE, 3&out Colts; TD NE, 31-7 game over. Ein Touchdown und ein FG-Versuch aus fünf Drives ist nicht besonders gut; aber wenn du nach fünf Drives schon 31 Punkte gegen dich hast, haben vor allem andere Leute das Spiel verbockt.

Packers @ Seahawks

Das war eine sehr gut eingestellte Mannschaft mit mehr Talent, gegen eine schlecht eingestellte Mannschaft mit weniger Talent. ‚N bißchen langweilig, weil vom besseren Team so sauber runtergespielt. Das war aber immerhin gut für die Nerven. Und das war ganz dringend notwendig nach dem unglaublichen Ende in Seattle und vor allem MCCARTHY! MCCARTHY! MCCARTHY!

MCCARTHY! WAS ZUR HÖLLE!?! Green Bays Head Coach Mike McCarty war noch nie ein guter in-game manager (Bill Barnwel hat extra für ihn nochmal seine alte Rubrik Thank You For Not Coaching zurückgebracht, und darin auch einige ältere TYFNC-Beiträge über McCarthy verlinkt), aber was er gegen Seattle abgezogen hat, macht mich immer noch sprachlos. Stefan Raab hätte das besser gemacht!

Neben McCarthy waren auch einige Spieler und sehr viel Glück mitentscheidende Momente, also haken wir die kurz ab

  • der back-up Tight End fängt den Onside Kick nicht (Onside Kick sind zu ca. 20% erfolgreich)
  • Morgan Burnett beendet den Spielzug nach seiner INT 5min vor Schluß sofort
  • die 2pt Conversion war die definition of a freak play
  • Ha-Ha Clinton Dix läßt seine dritte Interception einfach fallen

OK, alles doof und unglücklich. Aber diese Dinge hätten niemals eine Rolle gespielt, wenn Mike McCarthy mal seinen Verstand eingeschaltet hätte, anstatt blind auf sein Gefühl zu vertrauen.

„On the field goals, McCarthy said he “frankly” would have liked to have gone for it but ‚just felt that you had to take points’” (Quelle)

Manchmal hab ich an einer roten Ampel auch das Gefühl, daß schon nichts passieren wird. Trotzdem guck ich nochmal, ob von links nicht doch ein riesiger Truck mit der Aufschrift Marshawn Lynch auf mich zu rast!

Es geht los im ersten Viertel: 4th&0,1cm vor der Endzone. Wenn Du hier nicht ausspielst, wann dann? Denkst du, es wird nochmal einfacher, einen Touchdown zu machen?! Oh warte: tatsächlich! Die Footballgötter haben ihren guten Tag und Green Bay bekommt noch im ersten Viertel ein weiteres Mal den Ball an Seattles 1-Yard-Linie. „Na Kleiner, Bock auf 10-Punkte-Führung in Seattle im NFC Championship Game?“ Schüchtern winkt er ab und träumt von Irina Shayk, der er gestern einen Liebesbrief geschrieben hat. Sie antwortet bestimmt, hat er im Gefühl.

Die Footballgötter können sich gar nicht mehr halten vor Lachen. Sie haben alle ihre Freunde herbei geholt und geben GB einen 3rd&3 an Seattles 24-Yard-Linie. Alle setzen auf „Der mit Abstand beste Quarterback der Liga wird passen; bei incomplete gibt’s das FG“. Alle verlieren. McCarthy entscheidet sich für „RB läuft von hinten in den Guard um den FG-Versuch ein Yard kürzer zu machen“. Alter, wenn du schon läufst, dann nur, wenn du den vierten Versuch ausspielst! Wenn du wirklich ein 1st Down willst, dann laß‘ den besten Quarterback der Liga werfen!

So geht GB mit nur 16 (statt 24 oder noch mehr) Punkten Führung in die Halbzeit. Und da hatte Mike McCarthy die Idee:

„The one statistic I had has (sic!) as far as a target to hit was 20 rushing attempts in the second half, I thought that would be a very important target to hit for our offense.” (Quelle)

….das…

….also….

….jetzt mal…

Oh, Herr McCarthy! Wie geht es ihnen, sie müssen sehr erschöpft sein von der langen Reise aus der Steinzeit bis ins Jahr 2015?!

Um das mal einem Laien verständlich zu machen, das ist ungefähr so, als würde Pep Guardiola sagen: „Ich möchte, daß Manuel Neuer in der zweiten Halbzeit zwanzig Abschläge macht. Ich glaube, das ist ein wichtiges Ziel für unseren Angriff“.

Wenn Aaron Rodgers in der zweiten Halbzeit mal geworfen hat, dann zu seinen RBs (im zweiten Drive der zweiten Hälfte hat er auch zu Nelson und Cobb geworfen, für zwei First Downs, aber was heißt das schon, wenn dein Gefühl besser ist als Aaron Rodgers?). Ansonsten ist Eddie Lacey gegen neun Mann gelaufen.

Richtig geil war der Drive nach der Interception von Burnett, 5min vor Schluß.

1-10-GB43 (5:04) (Shotgun) E.Lacy left tackle to GB 39 for -4 yards (K.Williams).
2-14-GB39 (4:57) (Shotgun) E.Lacy left tackle to GB 37 for -2 yards (M.Bennett).
3-16-GB37 (4:50) (Shotgun) E.Lacy up the middle to GB 39 for 2 yards (B.Wagner; M.Bennett).

Zeit runterlaufen lassen oder Timeouts provozieren ist echt ein schönes Gefühl, aber mit einem oder zwei First Downs bist du im Super Bowl. Vielleicht könnte der beste Quarterback der Welt ein 1st Down erwerfen? Okay, wenn du dabei ein schlechtes Gefühl hast, dann lieber nicht.

Mike McCarthy macht einen super Job, wenn es darum geht, seine Mannschaft gut einzustellen; kluge Menschen verfassen lange Hymnen auf seine Offense und seine Entwicklung von Aaron Rodgers. Mike McCarthy ist auch bestimmt ein toller Mensch, ein toller Vater und Ehemann und alles. Vorm letzten Super Bowl gab es Stories, wie er nachts an der Mautstation gesessen hat, um sich seinen erste unbezahlte Trainerstelle tagsüber zu finanzieren. Aber das Ende dieses Spiels, mit der absurden 2pt-Conversion und dem Onsidekick und dem Pech, das Russel Wilson seine zwei besten Würfe in der Overtime macht – das hat er verdient. Und ich hab auch kein schlechtes Gefühl dabei, das so zu schreiben.

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35 Kommentare zu “Notizblock Championship Games 2014/15

  1. Genial geschrieben. Ich habe Tränen gelacht 😉 Weiter so!
    Aber mal im Ernst, was zum Henker macht das Scouting Team der Colts denn die Woche über? Schaukeln die sich gegenseitig die Eier und futtern dabei Phillie Cheese Steaks oder hat ihn niemand gesagt, dass 2015 ist und die alten Tapes, wo ab und zu Peyton noch durchs Bild läuft nicht mehr aktuell sind. Hej, immerhin gibt es noch immer Brady, also wird es da schon allzu großen Unterschiede geben im Spiel.. SO und nicht anders kann ich mir das nur erklären. Mich würde mal da Gespräch zwischen Owner, GM, HC und DC interessieren. Da würde man doch gerne Mäuschen sein. Bellicheck und McDaniels lachen sich vermutlich noch immer kaputt.

    Auch ohne das große Taktikwissen war das Playcalling von McCarthy etwas sehr ääähm merkwürdig, aber wenn er das so gefühlt hat. Vielleicht war die Mautfirma damals aus Seattle und alte Dankbarkeit und so?

  2. ich schätze MM wirklich, aber das war wieder seine dunkle Seite. Klar gab es andere Fehler der Spieler und Special Teams Coach Slocum muss eigentlich auch fliegen nach zahlreichen geblockten Field Goals, dem katastrophalen Onside Kick und wasweißich. Aber wie vernagelt muss man denn sein, wenn man als Außenseiter auswärts auf Sicherheit spielt. Bei 4th & 0. Herrje, da wünsch ich mir den Brady-Sneak daher den Rodgers noch in Week 17 selbst gecallt und vollstreckt hat, glaube Rodgers war am Ende auch ziemlich pissed wegen dem Play Calling im Allgemeinen. Bei allem Respekt für den Mann, diese Entscheidungen sind unfassbar…

    Und eine wirklich ernste Frage an die Autoren hier: Warum versteht eigentlich fast kein einziger NFL-Coach etwas von richtigen Entscheidungen und würde gefühlt noch von der gegnerischen 5yd-Linie punten? Ist es einfach die Angst, eine unpopuläre Entscheidung zu treffen, weil alle anderen auch immer die Hose voll haben? Garrett hat in den Playoffs immerhin auch mutig gecallt (teilweise auch nicht immer richtig, aber okay) und seinen Vertrag bekommen.

  3. Pingback: Tellerrand: Conference Championship - German Sea Hawkers

  4. „Richtig geil war der Drive nach der Interception von Burnett, 5min vor Schluß….Zeit runterlaufen lassen oder Timeouts provozieren ist echt ein schönes Gefühl, aber mit einem oder zwei First Downs bist du im Super Bowl. Vielleicht könnte der beste Quarterback der Welt ein 1st Down erwerfen? Okay, wenn du dabei ein schlechtes Gefühl hast, dann lieber nicht.“

    Das dachte ich mir auch. 5 Minuten vor Schluß und ein INT. Ich war der festen Überzeugung das war es. Einfach auf Zeit spielen – hier mal ein 1st Down, da mal etwas laufen – da bekommt man schon gut 3-4 Minuten weg. Am Ende macht man es wie die Pats vor paar Spielen und kniet sogar vor gegnerischen Endzone nieder aber hauptsache die Zeit ist von der Uhr weg.
    Und was machen sie? Geben den Ball freundlich wie sie sind gleich wieder zurück – ok es wurden glaube ich 2 Timeouts verbrannt aber wen interessiert es mit beinahe 5 Minuten auf der Uhr? Klar man hätte ja selbst ein INT werfen können oder noch schlimmer jemand fumbled den Ball in der eigenen Hälfte. Aber das kann IMMER passieren. Spielt man auf die Art muss man gar nciht auf den Platz gehen. Das ist als würde man Auto fahren und trotz rechts vor links jedes mal anhalten und prüfen ob der Wagen von rechts auch wirklich halten wird.

  5. Sehr gut analysiert! Ich würde aber bei den Packers noch den Defense Coordinator mit ins Boot holen, der bei 3rd&1000 furchterregende drei Mann an die Line schickt, damit der bis dahin völlig verunsicherte Wilson auch wirklich alle Zeit bekommt, einen Pass über 20 Yards anzubringen.

  6. Meinte natürlich „…trotz rechts vor links jedes mal anhalten und prüfen ob der Wagen von LINKS auch wirklich halten wird.“ 🙂

  7. Sehr sehr unterhaltsam geschrieben! Wunsch von mir: Könntest du und oder Korsakoff euch mal über die aktuellen Entwicklungen in der Liga (Fox nach Chicago,Kubiak nach Denver, Cards DefCord neuer HC bei den Jets, Ryan zu den Bills, etc.) äußern?

  8. Slot-CB Darius Butler(einziger CB der Snaps sah, ausser Toler+Davis) hat 8 Snaps gegen den Run gespielt…. Bei den Colts liegts mMn viel mehr am fehlenden Talent/Tiefe in der Front 7, als an falschen Schemes/Aufstellungen.

  9. Fantastisch. Mir gefällt, mit viel Emotion das Teil geschrieben wurde. Als Pats Fan ist natürlich beim das AFC Spiel weniger Emotion hoch gekocht, aber ich kann Tage später den Mist McCarthys immer noch nicht fassen. Einfach nur unglaublich.

    Hatte gestern ne Diskussion mit Packers Fans darüber, die MM nahezu ALLE verteidigt haben. Ich verstehe das nicht. Lieber einen jungen Back-Up-TE zum Sündenbock machen, oder Fortuna. Meine Fresse.

    Mein neues Lieblingsargument ist übrigens folgendes:
    „Das erste 4th & 0000,1 Yards hätte ich auch nicht ausgespielt, weil du mit Punkten in die Partie starten willst. Das gibt dir ein sicheres GEFÜHL!!“
    Sorry, damit kann ich null anfangen. Es interessiert doch einen Scheiß, auf welcher Seite des Scoreboards eine Zahl größer als Null auftaucht, wenn noch 50 Minuten zu spielen sind.

  10. @Poohdini:
    „Mein neues Lieblingsargument ist übrigens folgendes:
    “Das erste 4th & 0000,1 Yards hätte ich auch nicht ausgespielt, weil du mit Punkten in die Partie starten willst. Das gibt dir ein sicheres GEFÜHL!!”
    Sorry, damit kann ich null anfangen.“

    Doch doch, das ist genau richtig so, weil dann hast du das Momentum auf deiner Seite! 😉

  11. Selbst wenn man es nicht schafft führt es halt dazu, dass der Gegner den Ball an seiner eigenen 0,00001 Yard-Linie kriegt. Und wenn du nicht die Colts bist und gegen die Patriots spielts führt es höchstwahrscheinlich zu hervorragender Feldposition, möglicherweise sogar im Plus-Territorium.

  12. Hmmm… Ich bin ja tendenziell auch eher für risikofreudigen Football. Aber beim erstem 4th & 0,1 Yard an der Endzone kann ich die Entscheidung zu kicken durchaus nachvollziehen. Immerhin sind zwei vorherige Versuche den Ball aus kürzester Entfernung in die Endzone zu bringen (Kuhn und Lacy) schon gescheitert. Wieso sollte es also beim dritten Mal klappen? Bei den Sofa-QBs vom Montag wurden die Calls von McCarthy auch eher verteidigt. Mir ist die Diskussion hier auf der Seite manchmal nicht differenziert genug…

  13. @ Matuschka
    Grundsätzlich finde ich es einfach großartig, dass auf dieser Seite (und manch anderer) eben aufgrund einer fundierten Basis argumentiert wird und eben nicht nach „Gefühl“ oder „Experten“meinung.
    Soll heißen, ausgehend von dieser BAsis sind andere Argumentationen irrational und haben demnach nur Bedingt Anspruch auf einbindung.
    Und es ist eben aus Analythischer Sicht kein risikofreudiger Football, sondern effizienter Football.
    Soll heißen ein Fieldgoal zu kicken ist risikohafter, weil man damit im Schnitt weniger Punkte erzielt und eher das Spiel verliert.
    _____________
    Was mich immens ägert ist eben genau die Reaktion, dass nun auf dem Tight end herumgehackt wird, weil er doch den Ball hätte fangen können. Meiner Meinung nach sollte es Ziel des Coachings sein, mögichst viel Entscheidungen und Druck von den Spielern abzunehmen – dann können die Sich nämlich auf die AUsführung konzentrieren. HEißt ich als COach übernehme die Verantwortung für ein Play; ich sage es an, und wenn es schief geht, bin ich schuld, weil ich den Spieler bspw. überfordert habe. McCarthy mach im ganzen Spiel das genaue Gegenteil – anstatt selber das Spiel zu bestimmen, schiebt er Entscheidungen vor sich her, bis dann der TE der DUmme ist…
    so sehe ich das zumindest…

  14. Die Footballgötter können sich gar nicht mehr halten vor Lachen. Sie haben alle ihre Freunde herbei geholt und geben GB einen 3rd&3 an Seattles 24-Yard-Linie. Alle setzen auf “Der mit Abstand beste Quarterback der Liga wird passen; bei incomplete gibt’s das FG”. Alle verlieren. McCarthy entscheidet sich für “RB läuft von hinten in den Guard um den FG-Versuch ein Yard kürzer zu machen”. Alter, wenn du schon läufst, dann nur, wenn du den vierten Versuch ausspielst! Wenn du wirklich ein 1st Down willst, dann laß’ den besten Quarterback der Liga werfen!

    Diesen Punkt finde ich diskutabel. 3rd/3 und Laufspiel ist durchaus ein Call, der sich verteidigen lässt. 3 Yards ist ziemlich genau die Yardage, an dem sich Wahrscheinlichkeit für Lauf und Pass die Waage halten.
    3rd/2 = Lauf Down
    3rd/4 = Pass Down

    Ob Mike McCarthy hernach das 4th Down nicht besser ausgespielt hätte, steht auf einem anderen Blatt. Laut WPA-Modell bewegen wir uns in dieser Entscheidung beim entsprechenden Spielstand im 1%-Bereich.

  15. @Tobi

    Und eine wirklich ernste Frage an die Autoren hier: Warum versteht eigentlich fast kein einziger NFL-Coach etwas von richtigen Entscheidungen und würde gefühlt noch von der gegnerischen 5yd-Linie punten? Ist es einfach die Angst, eine unpopuläre Entscheidung zu treffen, weil alle anderen auch immer die Hose voll haben?

    Der Grund ist: Head Coaches sind Menschen. Menschen sind risikoavers. Als eines der besten populärwissenschaftlichen Bücher zum Thema „Wie trifft der Mensch Entscheidungen“ kann ich Daniel Kahnemans „Thinking, fast and slow“ anbieten.

    Im Football-Kontext hat Brian Burke bei Slate vor zweieinhalb Jahren (als Ron Rivera noch Ron Rivera war) über dieses Phänomen geschrieben:

    I don’t think Ron Rivera was trying to preserve his job by punting. The best way for him to keep his job is to win, and that means following the numbers. Head coaches aren’t cowards. They’re humans, and risk aversion is something we’re all guilty of—we are the head coaches of our own lives, and we’re punting all day long. Whether it’s moving to the new city for that job you always wanted, starting your own business, or deciding what to order at a restaurant, we’re all more afraid than we should be of doing the wrong thing.

  16. @panthers:

    Absolute Zustimmung, gut ausgedrückt.

    @matuschka:

    Ich hab die Sofa QBs auch gehört und fand das teilweise eben nur Phrasendrescherei.
    Ich verstehe die Argumentation einfach nicht. „Beim zweiten und dritten Versuch haben wir es auch schon nicht geschafft, dann schaffen wir es beim 4ten Down auch nicht.“
    Ich meine, wonach richtet sich das? Wenn ich meiner Offense nicht zutraue ein halbes oder ganzes Yard zu erzielen, WIESO sollte ich der Offense im nachfolgenden Drive überhaupt zutrauen ganze 10 Yards zu überbrücken?
    Warum nicht direkt beim nächsten Ballbesitz punten, immerhin hatte man davor im Drive eben die zweiten und dritten Versuche ebenfalls nicht geschafft.

    Und wann traut meiner seiner Offense das eine Yard wieder zu? Gibt es da eine Regel? Nach 10 min? Nach 2 Drives? Was ich damit sagen will: es ist totaler Quatsch, so zu argumentieren.

    Nach dieser Logik hätte Wilson nicht mehr werfen dürfen, immerhin waren seine Wurfversuche vorher oftmals in einer INT geendet.
    Aber er hat es weiter gemacht, weil diese Logik sinnlos ist.

  17. Menschen treffen Entscheidungen eben nicht logisch, sondern meistens „aus Gefühl“ oder wie auch oft gesagt wird: „aus dem Bauch heraus“
    Seitens der Logik bzw. Statistik etc. pp. spricht so ziemlich ALLES dafür den Ball zu werfen, zu laufen, whatever, aaaaaaber der Bauch sagt eben: „oh, nein, Sicherheit! 3 Punkte! genau die können hinterher fehlen, obwohl sie doch so sicher sind!“ und dann gibts eben ein FG.
    Auf einem anderen Blatt steht natürlich, dass die HCs verdammt gut bezahlte „Profi-Entscheider“ sind, die vielleicht mal lernen sollten konsequent nach Statistik/Zahlen zu entscheiden.

  18. Auf einem anderen Blatt steht natürlich, dass die HCs verdammt gut bezahlte “Profi-Entscheider” sind, die vielleicht mal lernen sollten konsequent nach Statistik/Zahlen zu entscheiden.

    Die ersten, die das wirklich konsequenz durchziehen, werden den Football revolutionieren wie einst Billy Beane den Baseball erneuerte.

    Belichick z.B. kommt dem Ideal noch am nächsten. So ist es auch kein Wunder, dass seine Mannschaften a) jedes Jahr um den Titel mitspielen und b) jedes Jahr ihre statistische Erwartung schlagen – jene statistische Erwartung, die auf empirischen Daten beruht, die sich wiederum aus den Daten von Mannschaften mit überwiegend suboptimalem Game-Management ergeben. Aber auch Belichick ist noch eine Ecke vom Optimum entfernt.

  19. Ich glaube nicht, dass es sich im Football so durchziehen lässt wie im Baseball. Die unterschiedliche Anzahl an Spielen und an Situationen in denen man „die Statistik anwendet“ macht das ganze einfach unvergleichbar. Wir reden bei Football hier über 16 Spiele, das ist statistisch absolut insignifikant und wie ja auch deine Metriken immer feststellen, over- oder underachieven Teams ständig, teils auch drastisch. Sprich, der Coach der rein nach den Statistiken geht kann gut und gerne nach 2 Jahren weg vom Fenster sein, weil er halt statistisch Pech hat in den relevanten Situationen.

    Ich sage nicht, dass die Statistik im Football keinen Sinn macht, aber so eine tiefgreifende Anwendung wie im Baseball erscheint mir nicht realistisch.

  20. Pingback: NFL Power Ranking 2014/15 – Ausgabe Conference Championships | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  21. Die Argumentation „die Stichprobe von 16 spielen ist zu klein“ ist merkwürdig. => Ich gehe, wenn meine Stichprobe groß genug ist mit den Wahrscheinlichkeiten, weil sie dann auch aufgehen werden. Wenn sie aber nicht groß genug ist, verhalte ich mich entgegen der Wahrscheinlichkeiten, damit … ich mit Glück die Ausreißer treffe? Und: Wir reden nicht von INT oder Onside-Kicks oder Punt-RT-TD oder sowas, sondern von 4th’n’Short, 2-pt (die das gleiche sind), FG, Run/Pass-Play Entscheidungen. Solche Entscheidungen trifft man schon öfter während eines Spiels.

    Und warum man über 4th and short an der Endzone auch ohne Statistik eig. nicht reden braucht, Matuschka: Ich spiele aus => Erfolg = 6 bis 8 Punkte. Misserfolg = Gegner hat den Ball an der 1-yd-line => Eindimensionales Spiel, weil Gefahr einer Safty bei Sack, Durchschnittliche erwartete Drivelänge (man korrigiere mich): 30 Yds => kein Fieldgoal für den Gegner => Punkt => gute Field Position für mich.

    Dem Gegenüber stehen 3 Pkt für mich und min. Start des gegnerischen Drives an der 20. Toll -.-

    Großartig: Ganze WG wach gelacht, als ichs beim Frühstück gelesen habe! 😀 Danke!!

    Würde mich auch über nen HC/DC/OC Diskussionbeitrag von euch freuen 🙂 😉

  22. @phoodini: Ich meine, wonach richtet sich das? Wenn ich meiner Offense nicht zutraue ein halbes oder ganzes Yard zu erzielen, WIESO sollte ich der Offense im nachfolgenden Drive überhaupt zutrauen ganze 10 Yards zu überbrücken?

    Ich finde das etwas zu einfach gedacht….
    eine goalline-situation bevorteilt die Defense doch mehr, weil sie nur die endzone verteidigen muss… ergo kann sie doch mit weniger risiko die LOS zustellen…

    die überbrückung eines yardes ist doch auch für die Offense an der mittellinie leichter, weil eben immer noch (im regelfall) 2 safty-deep stehen, die ein bigplay verhindern sollen…
    es ist schon ein nachvollziehbarer ansatz zu sagen, gegen DIESE DEFENSE hat laufen von der 1y- linie nicht geklappt…. wieso sollte es ein drittes mal klappen, wenn ich nicht mal die überraschung eines QB-sneakes (ob des hohen verletzungsrisikos) habe….

  23. @Oscar: meine Argumentation zielt rein darauf ab, dass das Verhältnis von dem was am Spielfeld eintritt und dem was statistisch wahrscheinlich ist bei einer so kleinen Anzahl von Stichproben – und es sind halt immer nur 16, oder sogar weniger, Spiele relevant, weil es dann wieder bei null beginnt – nicht unbedingt zu dem gewünschten Ergebnis führen wird. Klar, statistisch gesehen über Jahrzehnte hinweg wird das schon passieren, nur in solchen Dimensionen denken weder Teams noch Coaches und es macht auch nur bedingt Sinn. Wie gesagt, mir geht’s hier nicht darum die Relevanz der Statistik zu wiederlegen, jedoch ist die „Lebenszeit“ eine Durchschnittscoaches halt kein statistisch signifikanter Zeitraum (anders eben als beim Baseball, das ist der Vergleich hier) und insofern glaube ich einfach nicht an eine Revolution á la Moneyball.

    Darüber hinaus ist die ganze Diskussion um 4th & 1 etc… halt auch zu Gunsten der Statistik ein wenig verkürzt. Denn eigentlich müsste man in meinen Augen das Szenario durchaus spezifischer betrachten. Beispielsweise spielt es mit Sicherheit eine Rolle in der Erfolgswahrscheinlichkeit ob man einen Pass- oder Laufspielzug called. Die Qualität des QBs bzw. RBs spielt dann eine Rolle. Ebenso ist es relevant ob man 4 WR aufgestellt hat, aus der Shotgun spielt, die Defense gegen den Lauf oder gegen den Pass aufgestellt ist, man Play Action spielt, etc… Das Szenario wird durch „4th & 1 ist zu x % erfolgreich“ halt schon verkürzt, das sollte man nicht ganz aus den Augen verlieren.

  24. Also erstmal ich bin großer Baseball-Fan und Beane hat einige unglaubliche Dinge mit den A´s geschafft, aber man muss schon auch sagen dass er jetzt bald 20 Jahre im Amt ist und die A´s noch nie unter ihm in die World Series gekommen sind.

    Ich glaube auch, wie Philipp S., dass sowas im Football nicht möglich ist. 16 Spiele zu 162 Spiele ist einfach ein riesiger Unterschied.

  25. Darüber hinaus ist die ganze Diskussion um 4th & 1 etc… halt auch zu Gunsten der Statistik ein wenig verkürzt. Denn eigentlich müsste man in meinen Augen das Szenario durchaus spezifischer betrachten. Beispielsweise spielt es mit Sicherheit eine Rolle in der Erfolgswahrscheinlichkeit ob man einen Pass- oder Laufspielzug called. Die Qualität des QBs bzw. RBs spielt dann eine Rolle. Ebenso ist es relevant ob man 4 WR aufgestellt hat, aus der Shotgun spielt, die Defense gegen den Lauf oder gegen den Pass aufgestellt ist, man Play Action spielt, etc… Das Szenario wird durch “4th & 1 ist zu x % erfolgreich” halt schon verkürzt, das sollte man nicht ganz aus den Augen verlieren.

    Philipp S. drückt hiermit ganz gut aus, was ich auch denke. Wenn man Statistiken anwenden will, dann sollte man auch die richtigen Statistiken nehmen. Zugespitztes Beispiel: Wenn die ligaweite Erfolgsquote bei 4&1 an der Endzone knapp 50% beträgt, ist diese Zahl absolut wertlos, wenn die teameigene Quote in der bisherigen Saison 0% beträgt. Inwiefern trägt diese Prozentzahl außerdem der Stärke der Defense in solchen Situationen Rechnung? Und wie wirkt es sich auf das Selbstbewusstsein und die Überzeugung der Offense aus, wenn schon die 2&1 und 3&1 Versuche recht sang- und klanglos gescheitert sind?

  26. Also erstmal ich bin großer Baseball-Fan und Beane hat einige unglaubliche Dinge mit den A´s geschafft, aber man muss schon auch sagen dass er jetzt bald 20 Jahre im Amt ist und die A´s noch nie unter ihm in die World Series gekommen sind.

    Was mit dem billigsten (bzw einem der billigsten) Team keine Schande ist. Beste Records in der Regular Season sind überdies eher das, was sich mit einem Moneyball-Approach steuern lässt, das hat Oakland geschafft. Andere Billigteams wie Tampa Bay haben den Durchmarsch geschafft. Boston mit dem Moneyball-Verfechter Epstein hat es geschafft (als teurerers Team natürlich).

    Statistiken gewinnen dir nie alles, aber sie helfen dir bessere Entscheidungen zu machen. Die Analytik im Football ist noch in einem Anfangsstadium, aber es gibt viele gute Ansätze. Man müsste sie nur nutzen.

    Belichick ist mit seinem Moneyball-ähnlichen Herangehen seit 15 Jahren ganz oben. Zwei Freak Plays weniger, und er gewinnt 5 Superbowls in 15 Jahren.

    Aber es geht noch radikaler als Belichick, deutlich sogar. Die ersten, die es angehen, werden sich auf 2-3 Jahre einen massiven Wettbewerbsvorteil erarbeiten.

  27. Belichick hat erst im Conference Final ein 4th & 1 von der eins nicht ausspielen lassen und das Field Goal gekickt. Wird halt ob des klaren Sieges nicht diskutiert, weil irrelevant für das Ergebnis.

  28. Ah, ok, hatte es näher in Erinnerung. Dann macht’s natürlich absolut Sinn, zumal da ja schon 3 Passspielzüge in Folge nicht funktioniert haben und Pass die einzige realistische Option war.

  29. Wenn ich mich recht erinnere, hat Belly vor dem besagten 4th & 3 bereits ein 4th & 1 ausgespielt. Also alles ok. 😉

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