Willkommen zum Superbowl-Sonntag 2021

Guten Morgen zum Superbowl-Sonntag 2021.

Die NFL hat es tatsächlich geschafft und die Corona-Saison wie geplant pünktlich über die Bühne gebracht. Die NFL und ihre Experten hatten recht: Es brauchte keine „Bubble“, nicht in der Regular Season und nicht in den Playoffs, um heil über die Runden zu kommen. In fast 330.000 Tests gab es unter den Spielern nur 262 positive Testfälle, in insgesamt über 950.000 Tests zusammen mit Spielern Coaches und weiterem Staff nur etwa 724 positive Fälle:

Es gab freilich einige kritische Momente – wie die Spielplanverschiebungen im Zuge des Tennessee-Titans-Ausbruchs Anfang Oktober oder den QB-Dreifachausfall bei den Denver Broncos, den Ravens-Breakout Ende November oder etwas abgeschwächt die „post-Christmas“-Cases in New Orleans oder Cleveland, die teilweise die Playoff-Kader beeinträchtigten.

Doch grosso modo darf sich der Kassenpatient hier nicht beschweren. Gerade in einem Land, das von einem verantwortungslosen Präsidenten regiert wurde und immer wieder ohnmächtig einer ungebremsten Pandemie-Ausbreitung zusehen musste, kann man der NFL ein fettes Kudos aussprechen. The Athletics Lindsay Jones hat den erfolgreichen Verlauf der Saison noch einmal dokumentiert und zusammengefasst.

Im Gegensatz z.B. zum Spitzenfußball oder College Football war die NFL auch eine der Ligen, bei denen mich die fehlenden (bzw. wenigen) Zuschauer am wenigsten gestört haben. Das Produkt „NFL am Feld“ scheint gut genug um ohne „Atmosphäre“ zu überleben.

Freilich fiel gerade während der Superbowl-Woche noch einmal auf, dass dann doch im Vergleich zu anderen Jahren etwas Flair abgeht – doch auf der Habenseite musste sich niemand fremdschämen, weil deutsche ran-Mitarbeiter unqualifizierte Fragen am Media-Day stellten.

Heute Nacht – Kickoff 0h30 – werden etwa 22.000 Zuschauer im Raymond James Stadium zugelassen sein. 7.500 davon wurden an bereits geimpfte Mitarbeiter der US-Sanität verlost – ein netter Tribut in einer schwierigen Zeit, deren Wunden wir noch lange lecken müssen.

Und so stand natürlich auch die ganze Superbowl-Vorbereitung im Zeichen der Sicherheit:

Doch die Reduktion der Super Bowl auf das eine, das Wesentliche, das SPIEL, hat auch etwas Schönes. Drumherum mit Hymne (heuer: Duett von Eric Church und Jazmine Sullivan) und Halftime-Show (The Weeknd) wird bleiben, doch mangels Publikums, Stars und Sternchen bleibt ansonsten diesmal nur das Spiel.

Kansas City Chiefs – Tampa Bay Buccaneers

Und das hat es in sich. Erste Heim-Superbowl für eine Mannschaft ever. In den letzten Tagen sind alle wesentlichen Aspekte des Spiels herum abgegrast worden. Hier die Artikel auf diesem Blog dazu – weitere Verlinkungen sind unter den einzelnen Artikeln zu finden:

Eine der letzten zu beobachtenden Storylines ist der schwere Autounfall, den Andy Reids Sohn, Chiefs-Linebacker-Coach Britt Reid, am Freitag mit überhöhtem Alkohol im Blut verursachte. Mehrere Kinder wurden angefahren, zwei kamen ins Krankenhaus, eins schwebte gestern noch in Lebensgefahr. Reid durfte nicht mit nach Tampa fliegen.

Mahomes gegen Brady ist nicht nur das Duell des Baby-GOAT gegen den GOAT. Es ist vor allem ein Duell zweier schwierig zu stoppender Offenses. Die Problemstellungen, mit denen die Defenses konfrontiert werden, sind schier unlösbar.

Für die Buccs-Verteidigung: Welchen Tod stirbt man am liebsten? Spielt man mit einem tiefen Safety, verbrennt dich WR Tyreek Hill. Stellt man zwei Safetys tief, verbrennt dich TE Travis Kelce. Spielt man Cover-2 Man, scrambelt Patrick Mahomes los. Doppelt man Kelce und Hill, steht ein 100-Yards-Durchbruch von Sammy Watkins oder Mecole Hardman bevor.

Am ehesten hat Tampa defensiv dann Zugriff auf Mahomes, wenn die Defenisve Line im Alleingang gegen die ersatzgeschwächte Chiefs-O-Line gewinnt. Doch was passiert, wenn dieser Plan nicht schnell aufgeht? Gegen Blitzing ist Mahomes absolut fulminant und die 2nd-Reaction Plays von Mahomes sind sowieso legendär.

Die Chiefs-Defense muss Bradys tiefes Passspiel wegnehmen – gegen Receiver wie Mike Evans, Chris Godwin, Antonio Brown oder Rob Gronkowski viel leichter gesagt als getan. Es könnte Big Plays hageln, sofern Chiefs-DefCoord Steve Spagnuolo, der Brady schon vor 13 Jahren mal in einer Superbowl zur Verzweiflung brachte, nicht die richtigen Deckungsprinzipien erwischt und gut getimte Blitzes schickt.

Doch „unlösbar“ bedeutet nicht automatisch Punktefestival. Superbowls tendieren immer auch dazu, offensiv grad zu Beginn etwas zu holpern. Ich gehe trotzdem von mehr als 56 Punkten aus.

Zu meinem Siegertipp. Die Chiefs sind bei den Buchmachern mit 3 Punkten favorisiert. „Nur“ drei Punkte. Ich habe beim Lead-Blogger schon erklärt, warum ich von einem deutlichen Sieg der Chiefs ausgehe.

Zu viel Potenzial schlummert noch in der Chiefs-Offense, bei der man einfach das Gefühl nicht loswird, dass sie noch nicht alles gezeigt hat. Vor zwei Wochen musste schon das hoch gehandelte Buffalo diese leidvolle Erfahrung machen: Viel Glück gehabt und doch komplett untergegangen.

Tampa Bay wird seine ewigen 1st-Down-Runs in Play-Action-Deep-Shots umwandeln müssen – oder perfekt sein in 3rd Downs. Auf jeden Fall muss Brady besser starten als in seinen bisherigen neun Superbowls, als seine Offenses in Summe 3 Punkte scorten. Ich sehe das alles insgesamt nicht so kommen.

Dieser Satz kann mir brutal um die Ohren fliegen und im Sinne der Spannung hoffe ich nicht recht behalten, aber: Ich erwarte einen Kantersieg der Chiefs.

Für mich persönlich

Vor einem Jahr lag ich genau am Superbowl-Sonntag mit 40° Fieber und starkem, trockenem Husten im Bett. Ich sinnierte mehr als dass ich wirklich „da“ war. Ich schaute das Spiel keuchend im Bett am iPad.

Ich habe trotzdem gute Erinnerungen daran. Es war drei Viertel lang eine schwache Partie von Patrick Mahomes, und dann doch der Reminder, dass man diesen epischsten aller Quarterbacks einfach nie abschreiben darf.

Im Nachhinein stellte sich heraus: Trotz übereinstimmender Symptome war’s damals noch nicht Corona.

In den elf Monaten seither haben mich NFL und dieses Blog vor mancher quälend langweiliger Stunde gerettet. Ich bin nur noch 80-90% Job und keine Vereinsarbeit zu haben. Football und Bloggen haben mir geholfen.

Ich gebe auch gern zu, dass sich das alles bald gern wieder verändern darf. Ich habe viel, eigentlich zu viel, Zeit hier drin verbracht. Ich wäre bald gerne wieder etwas mehr draußen, bei den Leuten. Aber da müssen wir uns noch gedulden. Ab morgen warten erstmal sieben Monate Live-Football-freie Zeit.

Drinking Game

Pünktlich zum Big Game ist eine Ladung Regensburger Kneitinger eingetroffen. Danke dafür!

Bevor wir also ganz zum Analkoholiker werden, hier das Drinking Game für heute Nacht. Ein Schluck Bier:

  • Wenn Tony Romo sagt „Hello, Jim“ oder „Oh, I don’t know, Jim”
  • Für jede Einblendung von Gisele
  • Für jede Covid-Referenz
  • Für jede Referenz an die mögliche Titelverteidigung der Chiefs
  • Für jede Referenz an die New England Patriots
  • Für jedes verkickte Ryan-Succop-Fieldgoal
  • Für jeden Coach beim Nachziehen der Maske
  • Für jede Referenz an den GOAT
  • Jedes Mal, wenn Patrick Esume „den Lauf etablieren“ sagt
  • Für jede Referenz an den Heimvorteil der Buccs

Zwei Schluck Bier

  • Für jeden Touchdown (und Extraschluck für jeden Gronk-Spike)
  • Für jede Interception
  • Für jede gelbe Flagge
  • Für jeden Sack
  • Für jeden Catch von Travis Kelce

Drei Schluck Bier

  • Für jeden 4-nette Run auf 1st Down
  • Für jedes ausgespielte 4th Down

Auf ex:

  • Wenn die Chiefs gewinnen
  • Wenn die Buccs gewinnen

Die Alternative ist bayrischer Bärwurz. Ein Shot für jedes 1st Down oder Touchdown von Playoff Lenny.

Messer Wentzen in den Hinterzimmern

Mindestens gleich spannend wie das Saisonfinale der noch laufenden Spielzeit ist derweil das QB-Karussell für die nächste. Matthew Stafford ist schon unter der Haube. In den letzten zwei Tagen haben sich nun auch die Gerüchte um einen Trade von Eagles-Problemfall Carson Wentz massiv verdichtet.

Am Samstagvormittag hatte ich zusätzlich zu Twitter noch „nur“ die Bestätigung einer persönlichen Quelle, dass Chicago wohl an Wentz dran sei. Gestern Abend aber haben die üblicherweise treffsicheren Chris Mortensen und Adam Schefter aber die Bombe schon „semi-offiziell“ gemacht:

Es muss nicht zwingend Chicago sein. Es muss auch nicht zwingend der kolportierte 1st Rounder als Kompensation sein. Aber die Eagles scheinen tatsächlich entgegen allen Unkenrufen gewillt zu sein, Wentz herzugeben, den 34 Mio. Cap-Hit zu fressen und den Rebuild einzuleiten.

Das wirft natürlich umso mehr Fragen auf die eh schon bizarre Entlassung von Headcoach Doug Pederson. Als einzig logische Erklärung für seinen Abgang bleibt damit, dass Pederson ihn selbst forcierte (wie eh vermutet) – aus Ärger über die engen Leitplanken in der Arbeit als Headcoach. „Königsmord“ ausgehend vom QB können wir mit dem von Wentz forcierten Trade wohl ausschließen.

Wie schon im QB-Eintrag vor zehn Tagen geschrieben: Der Abnehmer bekommt bei Wentz aus Cap-Sicht einen Vierjahresvertrag für 25 Mio/Jahr und insgesamt 47 Mio. guaranteed, wenn die Eagles den 10 Mio. Roster nicht selbst noch als Abschiedsgeschenk bzw. Preistreiber übernehmen. Für einen guten Durchschnitts-QB mit der Wentz-Upside aus 2017 wäre das ein passabler Preis. Die Frage ist bloß, für wie wahrscheinlich man so eine Entwicklung bei Wentz noch halten kann.

Was sonst noch bleibt, ist die bereits beantwortete Frage darüber, wie die greisen Football-Muftis auf den bevorstehenden Move reagieren. „Charakterprobleme“ beim weißen Jäger aus der Prärie Wentz gleich wie beim schwarzen Aktivisten Deshaun Watson?

Das Thema Wentz-Trade kurz zu Ende gedacht: Bin ich zu sehr Optimist wenn ich glaube, dass bei gutem Verkaufspreis von Wentz die Detroit Lions QB Jared Goff auf den Markt werfen müssen – im ziemlich konkreten Wissen, für ihn noch einiges zu bekommen?

MVP Awards 2020/21

Keine Überraschungen bei der Bekanntgabe der MVP-Awards letzte Nacht. Die Highlights:

  • MVP: QB Aaron Rodgers/Packers
  • Offensivspieler des Jahres: RB Derrick Henry/Titans
  • Defensivspieler des Jahres: DT Aaron Donald/Rams
  • Offensiv-Rookie des Jahres: QB Justin Herbert/Chargers
  • Defensiv-Rookie des Jahres: EDGE Chase Young/Washington
  • Coach des Jahres: Kevin Stefanski/Browns
  • Assistenzcoach des Jahres: Brian Daboll/Bills
  • Comebacker des Jahres: QB Alex Smith/Washington

Dass Mahomes für mich der MVP war, habe ich schon ausgeführt. Rodgers ist natürlich auch keine ganz verkehrte Wahl.

Auf OPOY überstrahlen Derrick Henrys mehr als 2000 Yards und 17 Touchdowns alles, was wichtigere Spieler wie die Quarterbacks, Travis Kelce oder Tyreek Hill bewirkt haben.

Auf OROY ist interessant, dass Herbert Jefferson ausstach. Der Wert der QB-Position stach hier den im Vergleich zu Positionskollegen deutlich besseren Jefferson aus. Das macht diesen Award künftig schwer zu prognostizieren: 2018 gewann RB Barkley, obwohl QB Mayfield super spielte. 2019 gewann QB Kyler Murray, obwohl er nur mittelmäßig spielte.

Mein Coach des Jahres wäre Sean McDermott aus Buffalo gewesen – Stefanski war meine #3. Der unumstrittenste Gewinner war Alex Smith als Comebacker des Jahres. Der Titel war in dem Moment entschieden, als Smith seinen ersten Fuß aufs NFL-Feld setzte.

Hall of Fame Class 2021

Letzte Nacht sind auch die Hall of Famer dieses Jahrgangs bekannt gegeben worden. Diese Klassen werden jetzt für mich auch auf persönlicher Ebene interessant, weil man einfach viele der Protagonisten lange Jahre selbst hat spielen sehen.

Folgende Figuren wurden ausgewählt:

  • QB Peyton Manning
  • WR Calvin Johnson
  • DB Charles Woodson
  • S John Lynch
  • OG Alan Faneca
  • Headcoach Tom Flores
  • Scout Bill Nunn
  • WR Drew Pearson

Die Klasse wird natürlich angeführt von QB Peyton Manning (Colts, Broncos). Brady hin, Mahomes her: Manning ist für mich nach wie vor der Goldstandard auf der Quarterback-Position. Es war Manning, der ab der Jahrtausendwende herum die NFL-Offenses immer quarterback-zentrierter machte.

Manning wurde über die Jahre oft für seinen extremen „Football-IQ“ gerühmt, doch ich denke, die viel herausragendere Qualität bei Manning war seine brutale „Execution“. Manning hat schematisch keine außergewöhnlichen Dinge veranstaltet. Die Aufstellungen (außen immer Marvin Harrison/Reggie Wayne, innen TE Dallas Clark) und das Playbook war für jeden recht simpel studierbar – doch Manning war einfach präziser, gedankenschneller, besser als alle anderen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Manning über 15 Jahre stets mit Tom Brady verglichen wurde. Manning sei der bessere „Regular-Season-QB“, Brady der bessere „Playoff-QB“ gewesen. Ich hielt diese Diskussionen immer für ziemlichen Müll. Brady hatte das bessere (und besser gecoachte) Team, doch dass der eine den anderen in der Post Season auf individueller Ebene „outperformt“ hätte, wäre für mich vermessen zu behaupten.

Ich habe Manning gerade zu Anfang „meiner“ Footballzeit nicht leiden können. Er stand für mich für das Artifizielle in einem QB – hochgezüchtet von seinem Vater Archie, dem Ex-QB, der seinen Nachwuchs Peyton und Eli von Kleinauf auf die NFL drillt. Es hat Jahre gebraucht bis ich Manning auf persönlicher Ebene akzeptiert habe – vielleicht auch, weil heute jeder QB, ja eigentlich fast jeder Spitzensportler, auf gewisse Art „künstlich geformt“, aalglatt geschliffen, unangreifbar ist.

Die Kulmination der Manning/Brady-Rivalry, die meine ersten NFL-Jahre prägte, fand vor 14 Jahren in einer Nacht Ende Jänner statt, als die Colts einen 3-21 Rückstand gegen grippegeschwächte Patriots aufholten und Peyton Manning endlich seine „Nemesis“ Brady/Patriots besiegt hatte und in die Superbowl einzog. Ich ging drei Stunden später besoffen zur Schule.

Es war das Ende der Saison. Ich wusste, dass Manning zwei Wochen später gegen Rex Grossmans Bears seinen ersten Ring holen würde. Ich hatte mich damit abgefunden. Bis heute ist jenes AFC-Championship Game für mich das grandiose NFL-Spiel, das ich gesehen habe.

Und so lernte ich über die Jahre mit Peyton zu leben. Je länger ich Football studierte, desto mehr lernte ich Manning, den QB, zu schätzen. Brady war bestimmt erfolgreicher – und wird dank seiner epischen Karrierelänge auch zurecht als GOAT bezeichnet. Doch im Vakuum war Manning besser und es braucht viel um mich vom Gegenteil zu überzeugen.


Es gab noch zwei andere „first ballot“ Hall-of-Famer. Der eine ist CB Charles Woodson, früher kurz Tom Bradys Teamkollege am College, einstiger Heisman-Trophy-Gewinner und fast 17 Jahre lang einer der bedeutendsten Defensive Backs in der NFL.

Woodson war ein Superstar in Oakland und Green Bay. Bei den Raiders galt er als diamond in the rough, nachdem die Raiders im Anschluss an Super Bowl 37 (Debakel gegen Tampa Bay) im Chaos versanken. 2006 wechselte er als einer der besten Free-Angent-Pickups ever nach Green Bay, wo er sich in seiner Playmaker-Rolle neu erfand und eine Art „Freelancer auf CB“ gab.

Woodson war neunmal Pro Bowler und dreimal All-Pro. 2009 wurde er vorbei an Darrelle Revis zum Defensivspieler des Jahres gewählt. Woodson war kein Shutdown-Corner wie Revis – vielmehr spekulierte er im Versteckten auf Big Plays, machte Turnovers (fünftmeiste INTs ever mit 65) und returnierte zahlreiche von ihnen zum TD.

2010/11 gewann Woodson seinen einzigen Superbowl-Ring. In dem Finale gegen die Steelers wurde er zur Halbzeit mit gebrochenem Schlüsselbein ausgeknockt – man kann anhand des Fast-Comebacks der Steelers erahnen, welche Bedeutung Woodson für jene hochdekorierte Packers-Defense hatte.


Calvin Johnson ist etwas überraschend first ballott. Wenn ich das richtig überblicke, dann ist „Megatron“ erst der dritte Receiver, der gleich beim ersten Versuch in die Hall of Fame gewählt wird – nach Jerry Rice und Randy Moss, und ich weiß nicht ob Johnson in diese Kategorie gehört.

Johnson war auf jeden Fall ein ästhetisch atemberaubender Receiver. Wenig an der NFL hat mich solchen Genuss verschafft wie Catches von Calvin Johnson. Er war einfach ein physischer Freak: 1,96m, 110 kg und eine Sprintzeit vor dem Herrn. Er war größer und schneller als alle anderen – und spielintelligent. Dass Johnson in Detroit spielen „musste“, dafür konnte er nix.

Johnson war auch menschlich ein angenehmer Typ, der sich mit seiner Besonnenheit wohltuend von den vielen Receiver-Diven abhob. Er spielte nur neun Jahre in der NFL – aber die neun Jahre hatten es in sich.

Ich hatte trotzdem immer das Gefühl, dass Johnson ein Unvollendeter blieb. Es hätte angesichts des Potenzials mehr sein können. Der unbestritten beste Receiver war Johnson in seiner ganzen Karriere eher selten – wenn, dann nur ganz kurz. Für jemanden, an dessen rohes physisches Talent vielleicht nur noch ein Randy Moss heranreichte, hätte es noch ein Jota mehr sein können – und seine 2012-Saison mit dem Receiving-Yards-Rekord ist mit Zillionen Targets etwas überschätzt.

Dennoch: Größter Detroit Lion in meiner Zeit als Fan. Ich hoffe, die mittlerweile frostige Beziehung von Johnson zur Franchise ist reparabel.

Wer es genauer bei den restlichen Gewählten wissen möchte, den verweise ich auf den ellenlangen Hall-of-Fame Eintrag bei Triple Option, wo alle 15 Semifinalisten in epischer Breite diskutiert wurden.

13 Kommentare zu “Willkommen zum Superbowl-Sonntag 2021

  1. Wenn die Bears echt einen #1 für Wentz hergeben, dann gehört das Ownership geprügelt, daß sie Pace & Nagy haben weiterarbeiten lassen. Es ist doch klar, daß die beiden einen schnellen QB Win brauchen und keinen Rookie draften können.

    Wenn der Rookie bustet, kommt ein neuer Coaching Staff. Wenn Wentz bustet, vielleicht auch aber dann können die beiden immer auf Wentz als Hauptschuldigen selbst verweisen und sich retten.

  2. Gibt es ne legale Möglichkeit das Spiel als Aufzeichnung in voller Länge zu sehen (+ggfs die Halftime-Show)? Unser Säugling lässt live wohl nicht zu, würde es aber schon gerne sehen…

  3. Was die „Atmosphäre“ angeht: Bei TV-Übertragungen sehen wir ja das Live-publikum nicht häufig. Ich denke, der entscheidende Unterschied zum Fußball ist, dass die NFL den Fan-lärm einspielt. Wenn man das Publikum nicht sieht, ist die Atmosphäre für uns TV-zuschauer dieselbe.
    Gleichwohl würde ich zustimmen, dass das Produkt Football für den Experten geistig so anspruchsvoll ist, dass man es auch ohne Ton genießen kann. Was ja manchmal nötig ist.

  4. Was ist denn ein Anal-koholiker? 😁

    „Ich habe viel, eigentlich zu viel, Zeit hier drin verbracht. Ich wäre bald gerne wieder etwas mehr draußen, bei den Leuten.“ Das ist dir absolut zu gönnen, wobei es sehr angenehm war, hier regelmäßig frische, gute Artikel lesen zu können. Vielen Dank dafür 👍

  5. Pingback: Eine Stunde bis zum Superbowl | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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