College-Football 2013/14, Week 15 Preview: Finale Furioso?

Wir wären um ein Haar auf ein unspektakuläres Saisonende hingesteuert, aber das Thanksgiving-Wochenende hat nicht enttäuscht und mit einigen bizarren Ergebnissen das Feld bereitet für einen letzten Samstag, der es in sich hat. Heute rege ich mich nichtmal darüber auf, dass es keine SEC in Deutschland gibt, denn in England gibt es sie. Aber der Reihe nach, heute etwas ausführlicher als gewohnt.

Vorneweg, um Chaos zu vermeiden, die Sendepläne: Was, wo, und was wo nicht offiziell. Nochmal: England ist Traumland. Hier gibt es das SEC-Finale! SPORT1 US bringt im deutschen Sprachraum folgendes „Programm“… nicht aufregen, wir konnten es ja erahnen:

18h    #6 Oklahoma State - #17 Oklahoma

21h30 gibt es keine Spiele, an denen man Rechte hält. Nachts ist NBA wichtiger. Der ESPN-Player hat diese Spiele im Programm:

  • 18h: #6 Oklahoma State-#17 Oklahoma, SMU-#16 UCF
  • 19h: UConn-Memphis
  • 1h30: Rutgers-South Florida
  • 1h45: #11 Arizona State-#7 Stanford
  • 2h: #1 FSU-#20 Duke, South Alabama-ULL

Die drei vermutlich wichtigsten Spiele sind nur über inoffiziellem Wege bekömmlich:

21h30  #9 Baylor - #25 Texas
22h    #3 Auburn - #5 Mizzou
02h17  #10 Michigan State - #2 Ohio State

Ersteres läuft im FOX-Rechtepaket, zweiteres CBS-Rechtepaket, letzteres in jenem von FOX. Es sind die Spiele mit den massivsten BCS-Implikationen. Aber vermutlich wird alles irgendwo für Trüffelschweine zu finden bzw. morgen im Tagesverlauf bei Youtube in guter Qualität online sein.

Die Ausgangslage

Beginnen wir von oben: #1 Florida State und #2 Ohio State sind als ungeschlagene Teams mit Finalsiegen in BCS-Conferences wohl durch und für das letzte BCS-Championship Game qualifiziert. Für FSU gilt das ACC-Finale gegen #20 Duke als Pflichtübung, während Ohio State mit #10 Michigan State auf einen fiesen Gegner mit Monster-Defense trifft und durchaus kein „slam dunk“ ist.

Sollte Ohio State verlieren, droht Chaos, und der Sieger des SEC-Finals #3 Auburn vs #5 Mizzou Tigers dürfte an den Buckeyes vorbeipirschen. Es gilt als ausgeschlossen, dass Auburn/Mizzou an Ohio State vorbei gelassen werden, sollte Ohio State sein Endspiel gewinnen. Es reicht wohl nicht einmal das Szenario „Blowout im SEC-Finale“ und „haarscharfer Sieg für Ohio State“. Und es wäre auch etwas bizarr, wenn ein ungeschlagenes Ohio State einem one loss SEC-Champ vorgezogen würde, selbst wenn dieser objektiv das bessere Team stellte (dem ist nicht eindeutig so). Es wäre der Worst-Case für die BCS, sofern diese in ihren letzten Atemzügen überhaupt noch einen solchen braucht.

#4 Alabama kann nix mehr tun außer zuschauen und auf sein persönliches Fieldgoal-Return-TD-Moment warten, und ich bezweifle, dass es irgendeine Möglichkeit für Bama gibt, noch ins Endspiel zu flutschen: Das quasi Unmögliche ist wohl nur in einem Szenario denkbar, nämlich wenn FSU und Ohio State Blowout-Pleiten kassieren, und das SEC-Finale seinerseits in einem Blowout endet, sodass ein #1 SEC-Champ auf ein #2 Alabama treffen könnte. Aber: Extremst unwahrscheinlich. (oder, Gedankenspiel: Ohio State wird demoliert und Mizzou gewinnt so knapp ein Drecksspiel, dass es Auburn von der #3 schießt, aber hinter Alabama gerankt bleibt; schon allein deshalb kaum denkbar, weil Michigan State nicht die Offense besitzt, um über Ohio State drüberzufahren)

Die Big 12 Conference wird entschieden zwischen #6 Oklahoma State, #9 Baylor und #25 Texas, die alle bei 7-1 Conference-Siegen stehen. Oklahoma State gewinnt den Tie-Breaker gegen Baylor und Texas und ist mit einem eigenen Heimsieg gegen #17 Oklahoma Conference-Champ. Verliert Oklahoma State um 18h MEZ, spielen sich ab 21h30 Baylor und Texas in Waco den Conference-Titel und die direkte Qualfikation für die Fiesta Bowl untereinander aus. Realistische BCS-Finalchancen haben alle drei nicht mehr.

SEC-Finale: #3 Auburn Tigers – #5 Mizzou Tigers

22h, für Trüffelschweine

Das Tigerduell, in dem das alt eingesessene Auburn auf den SEC-Neuling Missouri (erst seit 2012 Conference-Mitglied) trifft. Es ist eine Endspielpaarung, dessen Prognostizierung ich im Sommer für Satire gehalten hätte: Zu schlimm waren beide Teams noch im letzten Jahr (beide verpassten die Bowl-Season, Auburn war absolut nicht konkurrenzfähig). Ein so massiver Turnaround innerhalb nur eines einzigen Jahres ist am College relativ unwahrscheinlich, aber beide marschierten tatsächlich 11-1 durch die Saison, und beide sind zu einem gewissen Grad das, was die Amerikaner „legit“ nennen, also ernst zu nehmen. Das sind keine Hertha-BSC-Amateure, die eine günstige Auslosung zum DFB-Pokalfinale nutzen.

Auburn erregte dabei mehr Aufmerksamkeit: Man heuerte Gus Malzahn als neuen Head Coach für ein in hellen Flammen stehendes Programm an, das von Gene Chizik innerhalb von bloß zwei Jahren vom BCS-Champ zum Schrotthaufen gecoacht wurde. Malzahn, 2010 der OffCoord in jenem sensationellen BCS-Run, implementierte blitzschnell seine auf Fehlerminimierung gründende Spread-Run Option Offense. In Ermangelung eines Quarterbacks musste er dabei sogar im eigenen Defensive Backfield (!) nach beschäftigungslosen Backups suchen, griff beim athletischen #14 Nick Marshall zu und bestellte diesen zum QB. Marshall ist kein großer Werfer, aber er weiß wie man mit dem Ball in der Hand läuft und wann es besser ist, an den Runningback zu übergeben; das ist in Auburns Fall übrigens oft eine gute Idee: RB #21 Tre Mason ist ein Superstar, und das Auburn-Laufspiel war das einzige, das ich im Sommer an dieser Mannschaft gelobt hatte.

Malzahns Mannschaft ist eine erstklassige Geschichte, aber sie steht auf wackeligen Füßen: Gegen LSU wurden die Tigers mit drei Touchdowns abgeschossen, und danach brauchte es „twice in a lifetime“ Spielzüge, um Georgia und #1 Alabama zu schlagen; im Prinzip bestritt man extrem viele knappe Spiele und ist insgesamt zirka drei Plays von 8-4 entfernt. Wenn man die Iron Bowl nochmal Revue passieren lässt, wird immer klarer, welch einzigartiges Finish es war, und weshalb es so fassungslos war: Es war pure Antithese. Alabama klopfte immer und immer wieder in der RedZone an, war im Prinzip drückend überlegen, aber schoss sich selbst in die Knie und kassierte die unwahrscheinlichst mögliche Pleite.

Trotzdem: Chapeau Auburn, Chapeau Malzahn für eine bärenstarke Saison. Man kann allerdings gut argumentieren, dass das kleine Mizzou noch den beeindruckenderen Herbst spielt. Die Tigers sind auch 11-1, aber mit einer Overtime-Pleite gegen South Carolina. Mizzou hat kein Alabama geschlagen, aber auch keine 21pts-Pleite. Mizzou ist nur an #5 gerankt – hinter Auburn und Alabama – aber nach SRS-Zählweise heute mit roundabout 3 Punkten favorisiert.

Missouri ist vielen nicht geläufig. Headcoach ist Gary Pinkel, der schon seit einem Jahrzehnt das Zepter schwingt, und doch kennt ihn kein Schwein. Pinkel ist ein wandlungsfähiger Opportunist, der in den Süpfen entlang des Mississippi rekrutieren muss, und dort notgedrungen nimmt was er bekommt: Als ich begann, mich für College-Football ernsthafter zu interessieren, war Mizzou ein offensive juggernaut mit Wunderspielern wie Chase Daniels oder Jeremy Maclin. Zwei Jahre später prügelte eine Defense mit Aldon Smith und Sheldon Richardson die Gegner aus dem Stadion.

Und 2013? Da ist Mizzou eine rundum komplette, aber nirgendwo einzigartig besetzte Mannschaft. Quarterback ist mit James Franklin ein schwarzer Scrambler, dessen tiefer Ball suspekt ist und bei dem jeder Spielzug, in dem sein Go-To Guy gedeckt ist, zur Harakiri-Aktion verkommt. Angesichts seines Skill-Sets wundert mich immer öfter, weshalb OffCoord Henson kaum Checkdowns in den GamePlan involviert und weshalb die Tight Ends nie angespielt zu werden scheinen. Aber Franklin macht das wichtigste, vermeidet die ganz hirnlosen Pässe, und wenn ich oben schrieb „Harakiri“: Er findet oft seinen ersten Read (besagten Go-To Guy): Da hilft, dass der WR-Corp brutal breit aufgestellt ist, u.a. mit der #15 Dorial Green-Beckham, dem Top-Recruit von 2012. Sollte Franklin erneut mit Verletzung runter müssen, stünde als Backup Maty Mauk zur Verfügung, der dieses Jahr mehrere Wochen einen erstaunlich souveränen Notnagel gab.

In der Defense ein ähnliches Bild: Hier wird Mehltau gestreut, um den Gegner nach und nach einzuschläfern. Die Front-Seven macht Druck, aber es gibt nicht „die eine“ Abrissbirne. LB Andrew Wilson soll sich zu einem NFL-kompatiblen Spieler entwickelt haben, was gegen die variantenreiche Lauf-Offense Auburns eminent helfen wird. Auf der anderen Seite wird Mizzou seinen bester Verteidiger, CB E.J. Gaines, nutzen können, um Auburns wenige Pass-Waffen einzudämmen und Auburn so eindimensional wie möglich werden zu lassen.

Ich halte die Partie für offener als die meisten und sehe Missouri gegenüber dem Team of Destiny leicht im Vorteil. Aber im Prinzip ist das „tctc“ (too close to call) und damit genau wie ein SEC-Finale im Georgia Dome sein sollte: Intensiv, spannend. Der Sieger wird gegen 1h30 oder 2h MEZ feststehen und damit pünktlich zum Start der beiden top-gerankten Teams. Erst nach diesen werden wir wissen, was der SEC-Titel 2013 wirklich wert ist.

Big Ten Finale: #2 Ohio State Buckeyes – #10 Michigan State Spartans

02h17, nur für Trüffelschweine

Urban Meyer sagte vor sieben Jahren folgenden Satz:

„If that’s what’s making decisions, then I’m going to stand by my comment from a week ago. Implode it. It’s over. If that’s what’s making the decisions — style points, which I imagine that’s what it is — we’ve got a problem. It’s called winning and losing and playing a difficult schedule.“

Urban Meyer war damals Headcoach der 11-1 Florida Gators kurz vor ihrem SEC-Endspiel. Die Gators waren damals in einer ähnlichen Position wie Auburn und Mizzou 2013. Urban Meyer bekam damals Recht, zog nach gewonnenem SEC-Finale ins National Championship Game, und zerstörte die ungeschlagenen… Ohio State Buckeyes. Es war der Startschuss für eine mehrjährige SEC-Dominanz, der auch heute noch nachwirkt – so sehr, dass Ohio State 2013 mit *pling* Headcoach Urban Meyer trotz *pling* Ungeschlagenheit in der Big Ten Conference nicht ernst genommen wird.

Es ist davon auszugehen, dass die Buckeyes bei erfolgreichem Finalverlauf ihr Soll erfüllt haben und ins National Championship Game eingeladen werden. Pro und Contra möchte ich gar nimmer diskutieren, weil es eine Diskussion ohne klar definierte Richtwerte und Entscheidungsgrundlagen – BCS eben – ist. Alle metrischen Systeme weisen darauf hin, dass die Buckeyes in etwa gleich stark einzuschätzen sind wie Missouri, aber etwas besser sind als Auburn. Ihr Schedule war einfacher, aber wenn das Kriterium „starker Schedule und bessere Mannschaft“ ist, dann wäre auch Alabama eine bessere Wahl als Auburn.

Ein Sieg im B1G-Finale ist für Meyer und seine Mannschaft so oder so kein Gratis-Trip: Mit den #10 Michigan State Spartans wartet kein Fußabtreter als Endspielgegner. Die Spartans spielen zwar keine spektakuläre oder auch nur effiziente Offense, dafür aber ist die Defense eine der 2-3 besten im College-Football. Verschiedene Metriken stufen MSU als beste Rush-Defense aus, und wenn man sich diese athletische Front-Seven anschaut, weiß man auch, warum. Head Coach Mark Dantonio hat hier ganze Arbeit geleistet.

Dem stellt Ohio State eine extrem groß gewachsene, physische Offensive Line und RB Carlos Hyde entgegen. Hyde gehört zu den besten Runningbacks des Landes, und er trug die Buckeyes über weite Strecken durch die Saison. Die absolute Stärke der Mannschaft: Sie vermeidet Downs für Raumverlust. Als Referenz: 337 Carries diese Saison, und nur neun wurden im Backfield gestoppt. Als zusätzliche Waffe können die Buckeyes („Kastanien“) den laufstarken Option-QB mit der #5, Braxton Miller, aufbieten, der sich als Werfer soweit verbessert hat, dass man die Dimension „Passspiel“ mittlerweile ernst nehmen muss.

Die größten Zweifel bestehen in der Buckeye-Defense, die sich zuletzt sogar vom anämischen Angriff der Michigan Wolverines ausspielen ließ und dabei nicht zum ersten Mal einen wackeligen Eindruck hinterließ. Michigan State ist allerdings nicht dafür berühmt, aus schwacher Verteidigung Kapital in Form von allzu hohen Punktzahlen zu schlagen.

Ohio State ist zu Recht favorisiert (7.5pts nach SRS), aber nochmal: Es wird höchstwahrscheinlich kein Offensivspektakel, und wenn die Buckeyes das Laufspiel nicht relativ schnell in Gang kriegen, schließe ich eine Überraschung nicht aus.

ACC-Finale: #1 Florida State Seminoles – #20 Duke Blue Devils

02h, im ESPN-Player

#1 Florida State ist eine Großmacht im College-Football, obwohl es als solche noch nicht so lange existiert. Die Seminoles gehören zu den gefürchtetsten Footballteams des Landes, aber nach dem letzten BCS-Finale in der Saison 2000/01 wurde es ein Jahrzehnt lang still um das Team der Trainerlegende Bobby Bowden. Bowden wurde zur Saison 2010/11 durch dessen Nachfolger in spe Jimbo Fisher ersetzt und kratzte drei Jahre lang daran, das „fast“ aus „fast zurück zu alter Stärke“ zu löschen. Immer wieder wurden scheinbar einfache Spiele aus der Hand gegeben, und erst dieses Jahr ist man erstmals ohne Stolperer durch die Saison gekommen. Nicht, dass man es nicht hätte kommen sehen können, aber man hatte die Fisher-FSU schon unterbewusst mit diesen charakteristischen sinnlosen Pleiten gegen die Teams á la NC State oder Virginia assoziiert.

Nicht so 2013. Diese Ausgabe fuhr über seinen Schedule drüber und erspielte 12 Blowouts in ebenso vielen Spielen; das 51-14 bei Clemson war das Highlight, das 48-34 gegen Boston College der „Tiefpunkt“. Der durchschnittliche Noles-Sieg 2013 lautet 53-10, was selbst in Anbetracht des nur mittelmäßig schweren Schedules ein eindrucksvolles Zeugnis ist.

Das Gesicht der Noles ist der Freshman-QB mit der #5 auffm Rücken, Jameis Winston, ein mobiler Baseball-Spieler mit Granate von Wurfarm. Winston wurde als Strahlemann schnell zum Superstar und Heisman-Favoriten, bis vor wenigen Wochen eine Untersuchung wegen versuchter Vergewaltigung gegen ihn neu aufgerollt wurde; seither wird Winston mit anderen Augen gesehen, aber nervös machen ließ er sich auf dem Platz zumindest davon bisher nicht.

Beim heutigen Gegner #20 Duke Blue Devils darf man den großen Namen nicht überbewerten: Die kleine, versnobte Privatuni Duke ist im College-Basketball eines der größten (und verhasstesten) Programme des Landes, aber Football wird eher klein geschrieben: 1989 holte man mal einen geteilten ACC-Titel, aber ansonsten ist trotz langer Historie das Pflaster des ewigen Losers auf der Footballabteilung. Umso bemerkenswerter ist der Aufstieg der Devils dieses Jahr, und die Arbeit, die der fleißige Head Coach David Cutcliffe geleistet hat (Cutcliffe ist als Förderer von Eli Manning bekannt geworden). Zehn Siege in der Regular Season ist unerhört für Dukes blaue Teufelchen, aber wenn man ein bisschen hinter die Kulissen schaut, sieht man schnell was los ist: Das Übliche bei solchen Aufsteigern, eine 4-1 Bilanz in knappen Spielen sowie ein Schedule, der in der Regular Season die beiden mit Abstand besten ACC-Teams in Clemson und FSU mied.

Trotzdem: Nette Geschichte mit Duke, das man gern mal in einem wichtigen Spiel sieht, in dem es um was geht. Und immerhin schlug man letzte Woche im entscheidenden Spiel um die Endspielqualifikation knapp den großen Erzfeind North Carolina – eine gewisse Substanz ist also da, auch wenn heute alles andere als ein Kantersieg der Noles einer Sensation gleich käme.

Pac-12 Finale: #11 Arizona State Sun Devils – #7 Stanford Cardinal

1h45, im ESPN-Player

Cooles, weil mal völlig was Neues im Pac-12 Finale, mit den #11 Arizona State Sun Devils, einer Mannschaft, die schon Ende September in den lanesweiten Top-5 (!) des SRS aufschien, aber für die BCS wegen ein paar früher unnötiger Niederlagen erst dank Sieglauf im November interessant wurde – und dann reichte es immerhin noch für die Endspielqualifikation in der Conference.

Der heutige Gegner ist #7 Stanford, eine Uni, die kulturell keine Meile entfernter sein könnte: Bei Stanford zählen Noten, hoher IQ, Ethos, während Arizona State als einer der landesweit wildesten „Party-Unis“ verschrieen ist, mit fast 45.000 Studenten, und immer mal wieder dem einem oder anderen Cheerleader, das im Rotlichtmilieu und leichtbekleidet auf halblegalen Websites angetroffen wird. Da tun sich Waale auf zwischen den beiden Unis.

„Waale“ haben sich auch im ersten direkten Duell zwischen den beiden im September aufgetan, als Stanford zuhause eine physische Demonstration der Stärke hinlegte und Arizona State drei Viertel lang komplett pulverisierte (ich habe einen ca. 29-0 Zwischenstand in Erinnerung). Aber heute ist der Austragungsort ein anderer – nämlich das Stadion des Gegners (Sun Devil Stadium in Tempe) – ASU gilt als extrem heimstark, und beide Teams haben sich vom generellen Leistungsniveau durchaus angenähert.

Das ist für die Sun Devils ein Kompliment. QB ist Taylor Kelly, der Ziehsohn des Headcoaches Todd Graham, dessen Spread-Offense nur von roher Physis und viel Disziplin einzubremsen ist. Rein zufällig ist das genau Stanfords Mantra. Die Front-7 der Cardinal gehört zu meinen Favoriten im College-Football, und ich muss nimmer erwähnen, welch geiler Spieler OLB Trent Murphy ist. Immer wieder sagenhaft, dass der Mann erst zwei Jahre ernsthaft Football spielt. Dagegen wird Arizona State neue, überraschende Plays einsetzen müssen, um nicht abgewürgt zu werden.

Auf der anderen Seite ist Stanfords Offense um QB Kevin Hogan relativ banal, teilweise sogar übelst schlecht. Teilweise sehr vorhersehbar, was The Farm macht, und oft mit bloß diszipliniertem Spiel einzuschläfern. Stanford wird seine Yards machen, aber die Frage ist, ob du mehrere 80yds-Drives rein mit Laufspiel hinbekommst, oder nicht spätestens in der RedZone Punkte verschenkt werden, weil es einfach irgendwann zu eindimensional wird.

Big 12 „Finale“: Bedlam-Derby und Baylor-Texas

Oklahoma State – Oklahoma ab 18h, live SPORT1 US & ESPN-Player
Baylor – Texas ab 21h30, nirgends live, zumindest nicht offiziell

Bedlam-Derby zwischen den größten Universitäten in Oklahoma: #6 Cowboys von der Oklahoma State University vs #17 Sooners von der University of Oklahoma. Austragungsort: Stillwater/OSU. Klarer Favorit in dieser Partie sind die Cowboys, deren Pass-Offense um QB Clint Chelf die Schlagzeilen dominiert, aber still, klammheimlich und leise gehört auch die Defense von Mike Gundys Team zu den besten im Lande. Oklahoma ist gewarnt, aber wenn Oklahoma bei allen Problemchen, die diese Jungs in den letzten Jahren hatte, eines immer hingekriegt haben, dann war es eine Superleistung gegen die Cowboys (nur 1 Cowboy-Sieg in den letzten 10 Versuchen).

Baylor vs Texas ab 21h30 ist nur dann relevant, wenn Oklahoma State kurz zuvor verloren hat. Baylor ist klarer Favorit, aber Vorsicht: Die Longhorns haben sich nach einem katastrophalen September am Riemen gerissen und zumindest eine sehr gute Conference-Saison (7-1 Siege) gespielt. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man die vielen Verletzungen berücksichtigt, die von QB Ash über RB Gray hin zu fast allen Startern in der Front-7 der Defense reichen. Gegen die dieses Jahr dürftige Big 12-Mittelklasse reichte das, aber ob das gegen die erst- oder zweitbeste Offense des Landes (Baylor) langt? Weiterer Pluspunkt für die Bears: RB Seastrunk ist wieder einsatzbereit. Da muss DefCoord Mattison bei Texas sich schon was Besonderes einfallen lassen.

29 Kommentare zu “College-Football 2013/14, Week 15 Preview: Finale Furioso?

  1. hatte gedacht crimson tides müssen auch noch ein spiel absolvieren, und was ist mit den ducks auf Wikipedia steht nichts von weiteren spielen, in welchen bowl games werden sie spielen.

  2. Spannendes Bedlam-Derby in Stillwater. Oklahoma führt 4:38 vor Schluss 20-17, kommt aber per Kurzpass im 3rd-und-12 nur an die OSU-36yds Line und somit ein paar Yards außerhalb von FG-Reichweite. Es wird wohl gleich einen Punt geben.

  3. Und dann geht es so schnell: QB Chelf mit vier rattenscharfen Raketen hintereinander, 4 Completions, 84yds und es sind die toughen Yards, und an der Goal Line werden noch taktisch 90 Sekunden mit Laufspiel verbrannt. 1:46 to go, Oklahoma State führt nach dem besten Drive des Tages 24-20.

    Oklahoma hat heute vier verschiedene Werfer auf QB eingesetzt. Jetzt braucht es den TD, und nur ein Timeout ist noch verfügbar.

  4. Unglaublich.

    QB Blake Bell führt den Drive an, seinerseits mit einer Handvoll an Superpässen. Eine Pass-Interference gegen Oklahoma State hilft, aber es wird Diskussionen geben: CB Gilbert hatte eine Interception, bei der der Ball im allerletzten Moment – oder nach dem allerletzten Moment – noch aus der Hand sprang. Es gab keinen Review, weil Oklahoma blitzschnell den nächsten Snap spielte und einfach einen sinnlosen Ball downfield warf, um den Review zu verhindern.

    Dann 7yds-TD auf der Outside-Slant Route für WR Saunders. Oklahoma führt 19sek vor Schluss 27-24.

  5. Ende in Stillwater: Der letzte Spielzug der Cowboys endet im Desaster, ein Fumble beim dritten Rückwärtspass, und die Oklahoma Sooners gewinnen 33-24 und vermasseln den Oklahoma State Cowboys den Big-12 Conference-Titel.

    Das heißt: Gleich spielen #9 Baylor und #25 Texas den Conference-Sieger und den Platz in der Fiesta Bowl untereinander aus. Für Baylor wäre es nichtmal schlechter gewesen, als „At-large“ eingeladen zu werden, um nicht in der Fiesta Bowl gegen UCF spielen zu müssen, sondern möglicherweise gegen den SEC-Champ in der Sugar Bowl…

  6. Pingback: SEC-Finale 2013: #3 Auburn Tigers – #5 Mizzou Tigers | Sideline Reporter

  7. sec-endspiel
    ich weiß nicht, wie inoffiziell der weg ist, aber cbssports streamt das sec-endspiel über die eigene homepage. (scheinbar ohne geoblock)

  8. Was soll denn der Schwachsinnsvergleich mit den Hertha-Amateuren? Wenn ein Drittligist drei Zweitligisten (darunter den Pokalsieger des Vorjahres) und einen Erstligisten raushaut, steht er eben im Endspiel. Wenn das andere nicht machen … Passt irgendwie nicht, der Vergleich. Bin hier anderes gewohnt.

  9. Das Big Ten Finale: #2 Ohio State Buckeyes – #10 Michigan State Spartans geht doch mit einer kleinen Überraschung aus.

    Mit ein Erfolg war der disziplinierte Defense Job der Spartans, die nur 20 Yards an Penaltys negativ verbuchten, dagegen die Buckeyes mit entscheidenden (im Schlussdvierte) Straf -Yards den Raumgewinn dem Gegner ermöglichten.

    Das Wunsch BSC Finale sollte demnach stehen.
    Auburn vs. Seminoles.

  10. Naja, das Wunsch-Finale wäre für mich FSU/Bama gewesen, leider hat sich die Tide selbst aus dem Rennen genommen.

    Bliebe als Trostpflaster vielleicht im Sugar-Bowl dann Bama/Ohio State…

  11. Ja, natürlich wäre Alabama-FSU ein „logisches Ende“ gewesen, v.a. weil das die beiden besten Teams des Jahres sind. Aber Auburn machte gestern den besten Eindruck, den sie dieses Jahr hinterlassen haben, und zumindest kann man nun davon ausgehen, dass Auburn ein konkurrenzfähiger Finalgegner für FSU sein wird.

    Die BCS-Bowls könnte man sich nun wie folgt vorstellen (Achtung, Spoiler von heute Nacht):

    BCS: FSU – Auburn
    Orange: Alabama – Clemson
    Sugar: Ohio State – Oregon
    Rose: Stanford – Michigan State
    Fiesta: Baylor – UCF

    Ich glaube kaum, dass sich die Orange Bowl Alabama entgehen lässt, nachdem sie das erste „at-large“ Wahlrecht hat, und Clemson dürfte aufgrund der Nähe und der vielen reisenden Fans eine logische Wahl sein. Ohio State ist IMHO ein Muss für die Sugar Bowl, und weil diese wegen der Conference-Beschränkungen keine SEC-Uni mehr einladen darf, könnte Oregon durch die Hintertür noch den letzten freien BCS-Platz bekommen.

    Neben Oregon dürften wohl nur noch Oklahoma und Oklahoma State „BCS-eligible“ sein, wobei es für Oklahoma ein weiter Weg in die AQ-Zone sein könnte.

  12. Ja, Auburn hat sich – egal wie glücklich der Sieg war – den BCS-Finaleinzug verdient, unabhängig davon, ob Bama das bessere Team hat.

    Ich hoffe, eines der OK-Teams bekommt den Vorzug vor Clemson. Und ich sehe da auch ganz gute Chancen. Ich gehe mit deiner Pick-Reihenfolge d’accord, mit einer Ausnahme: Wenn der Sugar Bowl wirklich Bama auswählt, und dann in der zweiten Runde Orgeon oder OSU noch verfügbar sind, würde ich mir ein solches Matchup nicht entgehen lassen. Gerade Bama vs. Oregon – das wollen die Leute doch seit gefühlten Jahr“hunderten“ sehen!

    Für die Sugar Bowl Macher könnte ein OK Team dann auch geographisch interessanter sein als Clemson. Die Sooners sind historisch zudem ein Powerhouse und flogen schon letzte Saison unglücklich aus dem BCS Rennen („Northern Illinois – Are you kidding me?“).

  13. Das wäre dann:

    BCS: FSU – Auburn
    Orange: Alabama – Oregon
    Sugar: Ohio State – Oklahoma (State)
    Rose: Stanford – Michigan State
    Fiesta: Baylor – UCF

    Ja, ist auch denkbar. Wobei Clemson aus Sicht von Süd-Florida der „logischere“ Gegner ist. (Oregon ist „logischer“ für den gemeinen Fan)

  14. Es gibt auch Berichte, dass die Orange Bowl Ohio State und Clemson auswählen möchte und damit trotz erstem Wahlrecht Alabama übergeht.

    Dann hätten wir Alabama in der Sugar Bowl; Gegner ist dann fast sicher eines der Oklahoma-Teams oder Oregon, wobei angeblich die Angst besteht, dass Oregons Fans nicht zahlreich genug erscheinen würden.

  15. Seltsam. Selbst wenn Oregon-Fans nicht als so reisefreudig eingeschätzt werden – würde bei einem Bama/Oregon-Matchup wirklich freie Plätze im Stadion bleiben? Beim Oregon/LSU-Auftakt vor zwei Jahren in Texas waren immerhin auch knapp 88.000 Leute im Stadion. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, wie viele Ducks-Fans da waren.

    Bis zum Stanford-Spiel hat doch so ziemlich jeder Reporter dieses Spiel massiv gehyped. Aus TV-Sicht gäbe es doch für die nationalen Einschaltquoten kaum etwas interessanteres… Da kann doch eigentlich kein Oklahoma-Team mithalten!

  16. Ich verstehe die BCS-Vergabepolitik manchmal auch nicht, zumal es noch allerhand Klauseln gibt, die die teilnehmenden Unis zwingt, ein millionenschweres Karten-Budget zu kaufen, für deren Verteilung die Uni dann selbst zuständig ist. Inwiefern lokale Tourismus-Einrichtungen da mit entscheiden, kann ich nicht beurteilen.

    Auf alle Fälle: Das Veranstaltungskomitee der Sugar Bowl würde nicht zum ersten Mal eine haarsträubende Entscheidung aus sportlicher Sicht treffen (siehe das 2011er Matchup Hokies vs Michigan).

  17. Wofür sie vor zwei Jahren allerdings auch mit den niedrigsten TV-Ratings und tausenden freien Plätzen im Stadion abgestraft wurden. Hoffentlich hat man daraus gelernt 😉

  18. Meine Überlegung war übrigens gerade, dass OK-State im Ranking richtig verlieren könnte, in den Computer-Rankings waren die Cowboys eh nicht so stark. Und auch in den Human Polls wird man jetzt Federn lassen müssen. Ein mögliches abschließendes Ranking könnte auf den ersten 20 Plätzen so aussehen:

    1. FSU
    2. Auburn
    3. Alabama
    4. Stanford
    5. Ohio State
    6. South Carolina
    7. Baylor
    8. Michigan State
    9. Missouri
    10. Oregon
    11. Oklahoma
    12. Clemson
    13. UCF
    14. Oklahoma State
    15. LSU
    16. Arizona State
    17. Louisville
    18. UCLA
    19. Fresno State
    20. Northern Illinois

    In diesem Szenario wären die Cowboys gerade so BCS-eligible. Wenn OKState noch einen rutscht, nicht mehr. Und so ganz unrealistisch finde ich das nicht.

  19. ich habe das auch so ähnlich
    BCS: FSU – Auburn
    Orange: Alabama – Oregon
    Sugar: Ohio State – Clemsom
    Rose: Stanford – Michigan State
    Fiesta: Baylor – UCF

    was ich auch schon mal geschrieben habe: imo sind die Fans von OSU heiß auf einen großen Bowl und daher wählt Orange OSU

  20. Mal so rein aus taktischer Sicht: Sollte der Orange Bowl nicht auf jeden Fall zunächst Alabama wählen? Dann bekommt man auf jeden Fall ein Klasse-Duell mit Bama, egal wen der Sugar-Bowl dann auswählt. Sowohl ein Duell Bama/Oregon als auch Bama/Ohio State wär ein Kracher.

    Wählt man Bama nicht, geht die Tide ziemlich sicher zum Sugar Bowl. Ein dann noch mögliches Duell OSU/Oregon wär schon wieder etwas weniger attraktiv.

  21. zuerst wählt der Orange, dann der Sugar.
    dann wieder Orange, Sugar und zuletzt Fiesta.
    also so oder so wird es nicht zu Bama-OSU kommen, da beide höchstwahrscheinlich in der „ersten Runde“ gewählt werden

  22. @Gamecock: Es gibt in Sachen Orange Bowl einen Faktor, den man unbedingt berücksichtigen sollte. Er nennt sich „Conference-Nähe“. Die Orange Bowl ist vertraglich ein Partner der ACC, gegenwärtig und nach Abschluss der neuen TV-Verträge für das Playoff-System auch zukünftig. Daher glauben eigentlich fast alle – und es soll schon unter der Hand bestätigt sein – dass Clemson die erste Wahl der Orange Bowl sein wird. Clemson ist diesmal kein Muss, aber ein Kann.

    Die Sugar Bowl hat es dann einfach: Alabama. Bestes Team. SEC und Sugar-Bowl ist SEC-nahe. Gegen Alabama spricht eigentlich nur deren pathetischer Auftritt vor 4-5 Jahren gegen Utah, als man ziemlich lustlos antrat.

    Die Orange Bowl wird sich dann Ohio State holen, weil größter Name.

    Sugar Bowl muss sich zwischen Oregon und – vermutlich – Oklahoma entscheiden. Ersteres bringt sicher die besseren TV-Ratings und ist definitiv das bessere Matchup, aber: Sooners sind geographisch näher und ein größerer Name, und die Big 12 ist künftiger Partner der Sugar Bowl.

  23. Und mit genau diesem regionalen Bias blieben die Ducks nun tatsächlich vor der Tür der BCS:

    BCS-National Championship Game: FSU – Auburn
    Rose Bowl: Michigan State – Stanford
    Sugar Bowl: Alabama – Oklahoma
    Orange Bowl: Clemson – Ohio State
    Fiesta Bowl: Baylor – UCF

    Zum Kotzen. In den letzten Jahren hätte ich es Klasse gefunden, wenn es neben dem Cotton Bowl noch ein zweites SEC/Big12-Matchup gegeben hätte. Aber in diesem Jahr wäre Bama/Oregon oder Ohio State/Oregon möglich (und nach Ranking auch verdient) gewesen.

  24. Pingback: Silvesterbowls 2013 Preview: Abschied von Johnny Football? | Sideline Reporter

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