NFC Divisional Playoffs Preview: New Orleans Saints @ Seattle Seahawks

Am 2. Dezember waren die New Orleans Saints (12-5) das letzte Mal bei den Seattle Seahawks (13-3) zu Gast. Das Ergebnis war deutlich. Während die Saints ihre versohlten Hintern ins Flugzeug schleppten, feierte Seattle noch den Lautstärkerekord mit allen 12th men im CenturyLink Field. Zu Beginn der Divisional Playoffs gibt es jetzt das rematch. Im Gegensatz zum letzten legendären Playoffspiel der beiden gegeneinander, ist dieses Mal New Orleans bei den Buchmachern der klare underdog.

New Orleans´ sieben Punkte der Offense waren der Negativrekord in dieser Saison. Die 34 kassierten Punkte der Defense ebenfalls Negativrekord; überhaupt war es das einzige Mal, daß die Saints mehr als 30 Punkte zugelassen haben. Das spricht für den starken Job den Rob Ryan in seiner ersten Saison als Defensive Coordinator in New Orleans gemacht hat.

Seahawks Offense vs Saints Defense

Dabei sind die Spieler größtenteils dieselben, die sich 2012 unter Steve Spagnulo regelmäßig der Lächerlichkeit preisgegeben haben. Wichtige Neuzugänge waren CB Keenan Lewis, Rookie-Safety Kenny Vaccaro und OLB Parys Haralson. Alle drei spielten wichtige Rollen: Lewis als recht zuverlässiger Nr.1 CB; Vaccaro als überraschend zuverlässiger Safety und Haralson als einziger in der Front-7, der große Erfahrung mit 3-4-Konzepten hatte (er kam von den 49ers). Blöderweise mußte Vaccaro in Woche 15 auf IR; da ist auch Haralson seit dem Wild-Card-Game und Lewis erschütterte sich das Gehirn und ist questionable für das Spiel in Seattle.

Das ist vor allem blöd, weil im „Hinspiel“ Russel Wilson per Arm um Bein der matchwinner war und nicht das „normale“ Laufspiel um Marshawn „beast mode“ Lynch und Robert Turbin. Beide zusammen kamen nur auf 79 Yards aus 27 Läufen. Ryans Verteidigungen machen zwar immer einen recht „wilden“ Eindruck, aber sie sind sehr diszipliniert und „fundamentally sound“ wenn es ums tackling geht. So haben sie auch letzte Woche die gefürchtete Laufmasche der Eagles sehr gut eingebremst (22 Läufe für 80 Yards). Seit ihrer bye week Mitte Oktober konnten nur vier ihrer elf Gegner mehr als 100 Yards erlaufen.

Genauso diszipliniert und mit sicheren tackles müssen sie dann aber auch dem kleinen Derwisch Russel Wilson gegenübertreten. Viele yards macht der kleine QB mit einfachen Würfen zu meterweit offenen Receivers. Diese „einfachen“ Würfe erabeitet sich Wilson aber mit schwierigsten Zirkuskunststückchen als Entfesselungskünstler. Er befreit sich so geschickt (und manchmal sogar richtiggehend elegant), daß die Übertragung am Sonnabend wieder zum drinking game werden könnte: einen Shot für jede Nennung von „Fran Tarkenton“ und zwei shots für jeden „Whoodini!“.

Hier ist das Herzstück der Saints-D gefragt: die Defensive Linemen Cameron Jordan, Akiem Hicks und OLB/DE Junior Gallette. Als sie vor wenigen Jahren zu den Saints kamen, hat man sich sehr viel von ihnen erwartet; massives Talent hatten alle drei. Doch dann kam kaum etwas. Unter Ryan nun steht Jordan plötzlich auf der shortlist für den DPOY. Hicks, zusammen mit Brodrick Bunkley oder Rookie John Jenkins machen zuverlässig die Mitte gegen den Lauf zu, während Gallette und Jordan ebenso zuverlässig Druck auf den QB machen. Knackpunkt hier ist, daß sie beim pass rush Wilson in der pocket halten und die Fluchtwege über die Außen zumachen und auch in der Mitte nicht blind nach vorne stürzen und ja nicht Wilson ausbrechen lassen, im Idealfall dann noch dem kleinen Mann mit Armen und Händen sein Sichtfeld verdecken.

Der X-Factor in der Offense ist Percy Harvin. Da er aber in dieser Saison keine 20 snaps gespielt hat und auch nicht klar ist, wie fit er tatsächlich ist, ist von Totalausfall bis matchwinner alles im Bereich des Möglichen. Neben den beiden WRs Golden Tate (sehr stark) und Doug Baldwin (stark) sollte man auch immer ein Auge auf Jermaine Kearse werfen. Dieser UDFA fängt in jedem Spiel einen eigentlich unmöglichen Ball.

Es wird hier noch mehr als sonst auf Fehlervermeidung der Saints ankommen, jeder missed tackle kann gegen Typen á la Wilson, Lynch und Tate zum TD führen.

Saints Offense vs Seahawks Defense

Auf der anderen Seite lastet alles auf den Schultern von Sean Payton und Drew Brees, sich einen gameplan zurechtzulegen, der eine Verteidigung knacken kann, die keine Schwachstellen hat.

Ich bin da auch ein bißchen ratlos, welches matchup hier das wichtigste oder spannendste sein wird. Nach der Verletzung des in Paßverteidigung exzellenten Linebackers K.J. Wright ist es vielleicht die Marques Colston-/Jimmy Graham-Combo über die Mitte. Die beiden Riesen können die Mitte attackieren wie kein anderes Duo der NFL. Aber selbst dafür hat Seattle als Antwort noch LB Bobby Wagner und die Safties Kam Chancellor und die one man dome patrol Earl Thomas.

Colsten und Graham können auch tief gehen. In Verbindung mit dem exzessiven screen game um Darren Sproles und Pierre Thomas (dieser allerdings questionable) können sie das Spiel sowohl sehr breit als auch sehr lang (? oder tief?) machen. In Kombination „streßt“ das eine Verteidung ungemein.

Von den individuellen matchups her ist Seattle fast überall im Vorteil. Pass rushers Michael Bennett und Cliff Avril gegen mittelmäßige Offensive Tackles; die „Legion of Boom“ gegen die WRs Robert Meachem, Lance Moore und Kenny Stills; Mount Mebane und Wagner als Anführer gegen das Laufspiel durch die Mitte um Jahri Evans und Brian De la Puente ist das noch das ausgeglichenste.

Die Zauberkünste des Russel Wilson gegen den Hasen, den Sean Payton aus seinem Hut zieht, ist in einem Satz das Faszinierende an diesem Spiel. Nimmt man noch die einzigartige Atmospähre im CenturyLink und die jüngste gemeinsame Geschichte der beiden Mannschaften dazu (blowout in dieser Saison plus der upset in den Playoffs 2011) ist das der perfekte Einstieg in das schönste Wochenende des Jahres.

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8 Kommentare zu “NFC Divisional Playoffs Preview: New Orleans Saints @ Seattle Seahawks

  1. @jack –> Ich glaube das einzige Team, dass zur Zeit die Seahawks stoppen kann sind die Broncos.

    Diese Begegnung wünsche ich mir übrigens auch als Super Bowl Match 🙂 !!!
    Das wäre der absolute Kracher. Ich sehe die Medien schon schreiben, der alte, erfahrene Manning gegen den neuen, jungen Wilson.

    Also meine Tipps für die Conference Finals:

    AFC : Broncos vs Patriots
    NFC : Seahawks vs Panthers

    Und dann Broncos vs Seahawks im Super Bowl. Den Sieg hätten beide alle mal verdient 🙂 !!! Aber erstmal sollen sie die Divisional Round am Wochenende gewinnen 🙂 !!!

  2. Ich bin schon seit den Zeiten als dogfood die erste Verlinkung zu dir machte treuer Leser deines Blogs, aber als Saints Sympathisant finde ich deine Analysen manchmal zu oberflächlich geschrieben.

    Lange vor erscheinen war CB Keenan Lewis schon wieder von der Injury List und für OLB Parys Haralson ist die Saison seit Anfang der Woche beendet. Auf die komplette Systemumstellung (mehr Lauf als Pass, den besten RB der Liga komplett aus dem Spiel genommen usw.) im Laufe des Eagles Spieles und die möglichen Schlüsse daraus für das Seahawks Spiel wird wenig bis gar nicht eingegangen.

    Hier eine ganz treffende Analyse der Zahlen fürs Seahwaks Spiel (wenn auch von einer parteiischen Seite)
    http://www.canalstreetchronicles.com/2014/1/9/5290622/saints-seahawks-advanced-statistics-any-given-sunday

    Versteh mich nicht falsch, alles andere als ein Sieg der Seahawks wäre eine faustdicke Überraschung aber eine reelle Stärken/Schwächen Analyse zum hätte ich fein gefunden.

  3. @nil76
    Keenan Lewis ist immer noch offiziell „questionable“; und mit der „neuen“ policy in Sachen Gehirnerschütterung ist das auch kein Wunder.

    re Haralson: steht doch auch genauso im preview.

    re „Faustdicke Überraschung“: nee, sehe ich nicht so. Wie Belichick in der Defense ist Payton in der Offense bekannt dafür, daß er für jeden Gegner einen „game plane“ maßschneidert. Wenn er „den“ gameplan gerade bastelt, vielleicht mit Sproles und Thomas/Robinson/Thomas gleichzeitig im backfield, oder mit Colsten/Graham gegen „den anderen Safety“ oder Linebacker oder mit „shot plays“ (seven men protection) mit Stills/Meachem/Moore gegen CB Maxwell oder den NB oder noch etwas anderes macht: offenes Spiel.

    Ja, die Vorschau ist gewiß „unterkomplex“. Aber auch die DEF gegen PHI ist mit drin: sie haben vom „gameplanning“ her nichts besonders gemacht, sondern einfach „fundamentally sound“ gespielt, ie no missed tackles, no broken coverages. (Und die anderen previews werden komplexer oder „deeper“, versprochen 😉

  4. @ Herrmann
    Im Endeffekt ist alles was du hier schreibst immer noch Meilen näher am zu erwartenden Gameplan als alles andere was man zu diesem Spiel auf deutsch zu lesen bekommt!

    Ich bin seit der Ende 80er Jahre Saints Fan und freue mich immer rießig wenn irgendwo im deutschsprachigen Raum etwas über sie zu lesen steht. Will sagen, ich bin vielleicht etwas ungerecht wenn ich hier Analysen ala Football Outsiders, Canal Street Chronicles oder die hervorragenden Artikel von Murf Baldwin auf Bleacher Report erwarte. Hier ein Beispiel:

    http://bleacherreport.com/articles/1916651-new-orleans-saints-vs-seattle-seahawks-breaking-down-saints-game-plan

    Ich glaube übrigens, die Saints haben eine kleine Chance, wenn Sie:
    – Ingram ins laufen bekommen (20-25 touches), dies eröffnet Brees trotz seiner Auswärtsschwäche (er scheint es diese Saison zu oft erzwingen zu wollen) Zeit und Ruhe um seine Waffen zu erreichen.
    – Gallett und Jordan, wie du richtig schreibst, Wilson „cotainen“ können
    und die Secondary muss die Coverage lange genug halten, bis Galette und/oder Jordan bei Wilson ankommen. Sprich viele DropBacks, hurries oder im Idealfall sogar den ein oder anderen Sack.

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