Notizblock Divisional Playoffs: Ravens@Broncos

Zwei Elemente im Baltimores gameplan waren besonders augenfällig und haben auch ganz gut funktioniert.

In der Offense haben sie fast ausschließlich mit nur zwei WRs gespielt: Anquan Boldin und Torrey Smith. Darauf hat Denver ganz konventionell mit base personnel geantwortet. Dabei spielt Von Miller in der 4-3 Aufstellung OLB. Das heißt, er ist kein Pass Rusher, sondern verteidigt TEs und RBs auf ihren Paßrouten. Es gab nur vereinzelt Situationen, meist 3rd Downs, bei denen Miller auf den QB losgelassen wurde. Insgesamt hat die Offensive Line Baltimores einen recht guten Job gemacht; die Tackles Michael Oher und McKinnie hat öfter mal Hilfe von Ray Rice, Vontae Leach oder Dennis Pitta gegen Elvis Dumervil bekommen – und außer Dumervil haben die Broncos keinen starken Pass Rusher in ihrer Base-D.

So hatte QB Joe Flacco öfter mal Zeit, ganz tief zu gehen. Zugegeben: CB Champ Bailey sah in der ersten Hälfte gegen WR Smith alt aus – but give Joe Flacco some credit! Wie viele Quarterbacks werfen in den Playoffs, auswärts, bei -20°C gegen den Nr.1-seed Pässe über 50 Yards, die milimetergenau in die Hände des full spead rennenden Receivers fallen? Mehrmals. Hut ab. Die Ravens sollten ihm in der Offseason einfach $80Millionen geben, dann können sie die nächsten sieben Jahre ruhig schlafen.

Auf der anderen Seite gab es überhaupt keine tiefen Bälle. Nicht einmal ist Peyton Manning tief gegangen. Das war der Fokus für Baltimores Verteidigung: keine Big Plays. Unter allen Umständen: keine Big Plays! Ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur einmal Safety Ed Reed im Bild gesehen zu haben. Ich hab das Coach´s Tape noch nicht gesehen, aber bei der Fernsehübertragung hatte ich das Gefühl, daß er die ganze Zeit vor der eigenen Endzone rumsteht und nur die Aufgabe hat, tiefe Bälle zu verhindern. „Sollen Tamme und Dreessen doch 20 Bälle für jeweils 10 Yards fangen. Egal. Wir verhindern auf jeden Fall den langen Ball.“, scheint DC Dean Pees seinen Mannen die letzten Tage über eingehämmert zu haben.

Dazu kam, daß Baltimore fast ausschließlich in Nickel- oder Dime-Aufstellungen gespielt hat. Da hat Peyton dann gemacht, was er schon immer gemacht hat, wenn er leichte fronts sieht: Spielzugänderung an der line of scrimmage zu einem Laufspielzug. Immer und immer wieder. Das hat auch ganz gut funktioniert. Die Broncos hatten am Ende 30 First Downs. Um 30 First Downs in einem Spiel zu machen, müssen sich selbst die Patriots schon erheblich strecken.

Der Unterschied waren am Ende die drei Turnovers von Manning in der eigenen Hälfte. Drei Turnovers in der eigenen Hälfte! So kann man im Leben kein Playoffspiel gewinnen. Das ist jetzt das achte Mal in Mannings Karriere, daß das erste Playoffspiel der Saison gleichzeitig das letzte ist.

John Fox kann man durchaus einen Vorwurf machen für die Entscheidung, bei noch 36 Sekunden auf der Uhr und drei Timeouts abzuknien, statt versuchen in FG-Reichweite zu kommen. Nicht vorwerfen sollte man ihm die Laufspielzüge zum Ende der regulären Spielzeit. Beim 2-min-warning und 3rd&7 laufen zu lassen, ist ok. Flacco bekommt den Ball dann mit 70 Sekunden, ohne Timeouts irgendwo zwischen der eigenen Endzone und der 20-Yard-Linie und braucht einen TD. Was soll da schon passieren? Ich bin auch immer für aggressiv sein, aber diese Situation würde ich bevorzugen gegenüber der Gefahr der anderen Offense knapp zwei Minuten zu geben. Zumal ja Denver just davor mit zwei Läufen ein neues First Down gemacht hat. Das Einprügeln auf Fox scheint mit eher ein Fall zu sein von „Er hat verloren, also waren ja wohl alle Entscheidungen von ihm falsch.“

Referees: ich war ziemlich überrascht am Sonntag, überall im Internetz zu lesen, daß die Referees angeblich eine Katastrophe waren. Es gab einige enge Entscheidungen, aber keine deutlichen Fehlentscheidungen. Zumal selbst bei den engen calls kein Team irgendwie im Vorteil gewesen wäre. Schwieriges Spiel für die Refs, aber ganz anständige Leistung.

16 Kommentare zu “Notizblock Divisional Playoffs: Ravens@Broncos

  1. das mit scheidsrichtern sehe ich ähnlich; konnte da auch keine fehlentscheidungen erkennen. alle PI’s wurden eigentlich gleichgerecht gepfiffen; von kleinlich will ich nicht sprechen; behindern ist nunmal behindern…
    auf NFL.com hab ich gelesen, dass von den dortigen experten analysiert wurde, dass es keine bigplays der broncos aufgrund von fehlender wurfarmstärke mannings gab.
    was sagt uns das? dass sich die broncos verzockt haben mit nem 5jahres deal mit 90 Mill$? ich weiß nicht, aber ich glaube manning bzw. die broncos haben halt das risiko, was flacco eingegangen ist mit den bigplays, nicht aufnehmen wollen. und mal ehrlich; ein practicesquad-team hätte den letzten ball von flacco zum ausgleich sicher abgefangen. das das spiel verloren wurde lag einfach an einem schwachen tag der broncos-secondary…
    ergo sollte man nicht alles in frage stellen bei denver. die spielzugauswahl war ok, viele screens und laufspiele sowie kurze pässe… hat ja fast 5 viertel auch gut gehalten das ganze

  2. Bei aller berechtigten Kritik an den Broncos schön auch mal ein wenig Anerkennung für die Ravens zu sehen. Klar gab es viele Momente in denen man sagen kann „Denver hat das Spiel verloren“, aber ich sehe ebensoviele Gründe zu sagen „Baltimore hat das Spiel gewonnen“.
    Flacco wurde von Herrmann ja bereits gelobt, die O-Line ebenfalls, aber was ist mit der Defense ? 2,5 Viertel + Overtime lang Manning und seine Offense bei einem TD zu halten ist eine überragende Leistung und nicht nur Ergebnis eines schwachen Peyton.
    Hinzu kommen zwei Special Team Touchdowns der Broncos gegen die beste Unit der Liga, was ich für weit ungewöhnlicher halte, als alles andere, was in diesem Spiel passiert ist.
    Denver war natürlich weit davon entfernt ihr bestes Spiel zu machen, aber die Ravens hatten den besseren Quarterback, die bessere Defense und den besseren Kicker und unter den Voraussetzungen gewinnst du die allermeisten Spiele.

    Es wird immer recht gerne gesagt wie alt das Ravens Team ist, aber dabei darf man nicht vergessen wie erfahren sie auch sind. 5 Jahre, 5 Playoff-Teilnahmen, 3 AFC-Finals und vielleicht kommt ja dieses mal eine SB-Teilnahme dazu, auch wenn es gegen die Patriots sicher noch einmal schwieriger wird als am Samstag.

  3. @sesso: Ohne eine ernsthafte Schiedsrichterdiskussion anstoßen zu wollen, aber „gleichgerecht“ ist ein gewagter Begriff, wenn man sich mal vor Augen führt, dass die Ravens einen Return-TD aus einer INT produzierten bei einem Play, das eine 1A-Pass Interference war.

    Inkonsequent wurden auch die Offensiv- und Defensiv-Holdings gepfiffen. Ich habe die Diskussionen mitbekommen, dass die Ravens mit vielen Holdings davonkamen; in der Tat lässt sich beim Durchschauen der Aufzeichnung eine fassungslose Anzahl an „Holdings“ gegen LT Oher abzählen (minimum 7 oder 8 und ich habe nicht mehr das ganze Spiel durchgeschaut). Kein Wunder, dass Flacco so viel Zeit hatte.

    Es gibt Stimmen (u.a. auch von Mike Pereira), die es mit der Kälte entschuldigen, und ich kann es nachvollziehen. Wenn ich bei -15° aufm Skilift sitze, bin ich auch nicht 100% konzentriert. Dennoch hatten etliche kleine und große (teils natürlich schon haarige) Entscheidungen massiven Einfluss aufs Spiel und die Art, wie das Spiel gespielt wurde, und man kann nicht behaupten, dass es zu Baltimores Nachteil gewesen wäre…

    @Thyrwing:

    Denver war natürlich weit davon entfernt ihr bestes Spiel zu machen, aber die Ravens hatten den besseren Quarterback, die bessere Defense und den besseren Kicker und unter den Voraussetzungen gewinnst du die allermeisten Spiele.

    Es sei denn, ein einziger Mann hüpft im rechten Moment nicht am Ball vorbei, wie man es als DB schlicht nicht gelehrt kriegt. Es war ein Freakspiel, und die Ravens konnten nur ein Freakspiel gewinnen.

  4. Man muss den Coaches der Ravens wirklich ein Kompliment aussprechen, dass sie einen „high-variance“-Ansatz gewählt haben. Also lieber das Big Play suchen, statt mit kleinen Schritten nicht den Anschluss verlieren.

    So ein Ansatz kann dazu führen, dass man einen ganz bösen Blowout erlebt, aber eben auch, dass man als Underdog ein Spiel gewinnt. Und Underdogs sollten IMMER diesen Ansatz wählen, wenn sie eine Chance haben wollen.

    Und dann kam ihnen noch entgegen, dass die Broncos sehr konservativ gespielt haben.

    Mich haben die Ravens beeindruckt und ich muss sagen das war eines der aufregendsten Spiele, dass ich seit langem gesehen habe (Atlanta-Seattle hat das allerdings noch getoppt). So gut habe ich das Passspiel der Ravens schon lange nicht mehr gesehen.

    Ich kann auch nicht gerade sagen, dass mich die Leistung der Refs begeistert hat, ich hatte aber beim Live-Schauen nicht das Gefühl, dass ein Team bevorzugt wurde (auch wenn es auf Twitter ein gefühlt anderes Stimmungsbild gab).

  5. Die Ravens hatten diese eine Matchup, das sie pulverisierten (Smith gegen Bailey) und zwar sosehr pulverisierten, dass die komplette Offense davon lebte.

    Flacco ohne die langen Bomben (70yds, 69yds, 32yds, incompletion): 15/30 für 170 Yards, 1 Sack; 5.3 NY/A. Die Drives der Ravens zu Punkten waren a) aus exzellenter Feldposition und/oder penaltyunterstützt (1x 25yds mit einer haarsträubenden PI) und b) primär gelaufen; Flacco abseits der drei langen TD-Würfe mit 3/6 für 40 Yards bei allen Offensivpunkten der Ravens zusammen!

    Natürlich mutig von Flacco, so tief zu gehen und die musst du erstmal treffen, und tatkräftig unterstützt von CB Bailey, der sich nicht nur vom Speed, sondern beim zweiten TD auch technisch komplett verarschen ließ.

    Ist das alles bei Flacco und den Ravens neu? Nope. Diesmal griff eben ein Safety im rechten Moment daneben. Insofern: Gratulation, geiles Spiel, geiles Upset. Aber haben wir wirklich was über Flacco gelernt, was wir nicht schon wussten?

  6. Das die Ravens nur ein Freakspiel gewinnen konnten, ist mir eine Spur zu kategorisch. Sie hatten in einem solchen Spiel sicher eine weit größere Chance, aber Chancen auf den Sieg hast du in den NFL Playoffs immer.
    Ich bin als Baltimore Fan natürlich darauf aus, dass „mein“ Team Respekt dafür bekommt, dass man Denver geschlagen hat, aber vor allem bin ich bei solchen Upsets dagegen nur zu schauen, was beim Favorit falsch lief.

    Ich ziehe mal als anderes Beispiel den Verlauf der Champions League letztes Jahr ran. Chelsea hat eine Mannschaft, die ich zum Teil, von Grund auf unsympatisch finde (Gruß an Lampard, Cole, Terry) und ich hätte jedem Team den Gewinn mehr gegönnt als diesem Verein. Trotzdem bin ich bis heute beeindruckt, von der Effektivität, die diese Mannschaft sowohl gegen Barcelona, als auch die Bayern an den Tag gelegt hat.
    Das war weder schön, noch hatte es einen defensiven Masterplan (im Gegensatz zu Inter 2010), doch sie haben jeden Fehler mit so einer unfassbaren Abgewichstheit ausgenutzt, dass ich unzufrieden und gleichzeitig tief beeindruckt war.
    Die Chance, die Barca und Bayern in diesen Spielen haben liegen lassen sind mir ebenfalls gut im Gedächtnis geblieben, so wie ich auch die Fehler von Denver am Samstag immer mit dem Spiel verknüpfen werde, aber wer im Sport gewinnt der hat schon irgendwie was richtig gemacht. 🙂

  7. Ok, der Chelsea-Vergleich raubt mir meine Einleitung zu den Conference-Finalpreviews, da muss ich mir jetzt was neues ausdenken 😉

    Chelsea gewann auch nur, weil die Gegner drei Pfostenschüsse pro Spiel und jeweils einen Elfer und 30:2 Torschüsse versemmelten. Verunfallt eben. Klar haben sie was zum Erfolg beigetragen, aber größtenteils war es Unvermögen beim Gegner. Da haben die Ravens insgesamt sogar viel mehr gemacht.

    Der Vergleich allein zeigt aber die „Qualität“ der Ravens 2013. Sie hängen drin, sie würgen, sie ziehen den Gegner zu sich herab, und wenn der Gegner die immer noch zahlreichen Chancen nicht alle nutzt, schlagen sie zu.

  8. Ach ja das war was, zum allem Überfluss bin ich ja auch noch Anhänger von Barca (aber wer 2001 Fan geworden ist hat bedeutend schlimmeres erlebt, als das Halbfinale letztes Jahr), dennoch bleibe ich dabei, die Art wie die Londoner jeden Fehler bestraft haben nötigt mir viel Respekt ab. Ich muss allerdings anfügen, dass diese Art mich im Fussball unglaublich nervt.

    In der Beziehung bin ich allerdings auch etwas seltsam, weil ich im Football genau das liebe, was ich beim Fussball nicht ausstehen kann. Bei erstem harte Defense und gerne auch Siege die mehr über Wollen als Talent kommen, bei letzterem das schöne, fluide Passspiel, Offensive als beste Verteidigung und so weiter. 😉

  9. Ich finde die Einordnung der Ravens von Korsakoff so auch nicht ganz richtig, jedenfalls nicht auf dieses Spiel bezogen. Die Meinung zu den Referees teile ich (auch beim NE – HOU Match gab es haarsträubende Entscheidungen und dann wieder teilweise Pfiffe direkt danach, die man nur unter die Kategorie „Kompensation“ setzten kann), interessant ist dabei ja auch, dass die Officiating Crews für die Postseason neu zusammengemischt werden. Hoffen wir mal, dass die für die C-Finals besser „eingespielt“ sind.

    Aber zu den Ravens bzw. Broncos zurück: Obwohl ich Baltimore bei Gott nicht mag darf man mal die Fakten nicht übersehen: Tatsache ist, dass Denver in 5+ Quarters nur 21 Punkte in der Offensive zusammengebracht hat. Das muss man schon mal sehen. Man muss natürlich dabei auch beachten, dass Denver mit den leichtesten Schedule in der Liga hatte, vor allem über die letzten Wochen und alle Losses gegen andere Play-Off Teams kamen. Insofern hielt und halte ich die Broncos für leicht overrated.

    Jedoch, wenn man mit die beste Defense und Offense der Liga hat und eine grade im Passspiel sehr eindimensionale Mannschaft wie die Ravens nicht stoppen kann, dann stimmt was nicht.

    Meine Meinung ist, dass die Ravens den emotionalen Boost der ganzen Ray Lewis-Geschichte optimal nutzen konnten um in eine Situation zu kommen in dem Spiel bis zum Ende competitive zu sein und dass eine überbewertete Defense der Broncos dazu beigetragen hat. Und in der Overtime kann halt alles passieren – siehe Broncos – Steelers aus dem letzten Jahr.

  10. Naja, es gibt auch einen Unterschied zwischen Rush und Rush. Wenn er Coverage Responsibility für einen RB hat, dann macht er den Readstep, schaut und fängt dann erst über den RB an zu rushen, mit dem Augenmerk, ob der sich nicht doch noch in die Flat verdrückt.
    Da ist schon ein qualitativer unterschied, im Gegensatz zum Blitz…

    Ich wäre da vorsichtig mit der totalen Prozentzahl.

  11. Ist schon klar und war auch nicht so eindeutig gemeint wie´s vielleicht geklungen hat. Ich wollte es nur reinwerfen, weil – ob nun aus einer eigentlichen RB-Coverage heraus – Tatsache ist, dass Miller schon ordentlich geblitzt hat, jedoch eben von den Ravens sehr gut in check gehalten wurde.

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