Baylor – Oklahoma und die Nachwehen

Ich habe jetzt die Aufzeichnung von Baylor vs. Oklahoma gesehen und mal aus Interesse kurz in den Sooners-Foren gestöbert. Man muss nicht allzu weit graben, um den geballten Frust der geschundenen Seelen zu spüren zu bekommen, ja nichtmal der Hass auf Head Coach Bob Stoops und DefCoord Brent Venables ist allzu tief vergraben. Oklahoma, die #1 der Preseason, ist nach einem 38-45 bei Baylor aus allen verbliebenen BCS-Titelträumen gerissen. Es war Oklahomas 21tes Spiel gegen Baylor. Es war Oklahomas erste Niederlage gegen Baylor.

Es hat keinen Sinn, auf der Blassheit von QB Landry Jones oder den Ausfällen von RB Whaley oder WR Broyles herumzureiten, nicht wenn Jones trotz allem 36/51 für 447yds hinlegt und die Offense als ganzes 605yds (!) und 38 Punkte serviert, und auch wenn der uninspirierte Jones wie die Faust aufs Sooner-Auge passt: Weitaus bedenklicher sind die Negativrekorde sprengende Defense (117 Jahre Footballgeschichte, zweites Mal in drei Wochen die meisten Yards der Schulgeschichte aufgegeben) und diese „Marty-Momente“.

Wie sehr die Dinge aus dem Ruder liefen, wusste man zum Halbzeitinterview, als Stoops vor laufender Kamera explodierte und den unglücklich agierenden Safety Javon Harris wort- und gestenreich in den Senkel stellte. Harris hatte sich ein, zweimal von simplen Fakes verarschen lassen. Wer die Sooner-Defense mehr als einmal gesehen hat, der weiß: Oklahoma stellt auch gegen 5WR-Aufstellungen nicht mehr als zwei Cornerbacks ab. Safetys und Linebackers werden in schöner Regelmäßigkeit in hoffnungslose Zonendeckungen geschmissen und für große Raumverluste verbrannt. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Und Stoops hatte nicht mehr als einen Zusammenschiss für seinen Free Safety zu bieten.

Dann 51sek vor Schluss: Oklahoma gerade auf 37-38 herangekommen, mit einem nicht zu bremsenden „Rushing“-QB Blake „Belldozer“ Bell. Stoops mit der guten Idee, eine 2pt-Conversion zum Sieg auszuspielen. Und begehen die Sooners ein False Start, müssen den P.A.T. schießen.

Baylor will für die Overtime spielen und schickt den Running Back über die Mitte. Stoops mit der glorreichen Idee, 46sek vor Schluss ein Timeout (!) zu nehmen. Baylors Head Coach Art Briles grinst sich einen, legt den Gedankenhebel um und macht das, was jeder Coach mit einem Quarterback wie Baylors #10 machen sollte: Ihn von der Leine und mal machen lassen.

Das gesagt, hat das Endergebnis trotz allem Freak-Charakter, insbesondere mit dem abgefälschten Zufalls-TD über 87yds für Kendall Wright (VIDEO) im dritten Viertel und der ultrasoften Sooner-Defense im Schlussviertel im Hinterkopf. Das soll die Baylor Bears nicht schmälern. Was an dieser kleinen texanischen Baptistenuni aufgestellt wurde, ist beeindruckend und mit #10 Robert Griffin III (Codename „RG3“) gibt es da besagten fulminanten Quarterback, der plötzlich als potenzieller hoher NFL-Draftpick und dark horse auf die Heisman Trophy gehandelt wird. Griffin ist ein exzellenter Scrambler und bringt auch Bälle unter Druck in guter Deckung an den Mann. Der Sieg-TD war ein brillanter Wurf, der jeden NFL-Scout aufhorchen lassen wird.

Eindrucksvoll fand ich, wie Baylor – respektive Griffin im Alleingang – die Sooner-Defense mit leicht angezogenem Tempo immer wieder in die Einzelbestandteile zerlegen konnte. Es hagelte Big Plays und blitzschnelle TD-Drives, die keine 60 Sekunden reine Spielzeit von der Uhr nahmen (der Sieg-Drive dauerte z.B. 5 Plays für 80yds bei 43 Sekunden Ballbesitz). Griffin mit 22 Completions für 485yds (!).

That said, können die Oklahoma Sooners mit einem Sieg dieses Wochenende über Iowa State und nächste Woche bei Oklahoma State immer noch die Big 12 Conference 2011/12 aus eigener Kraft gewinnen. Ich bezweifle jedoch, ob das irgendjemand als zufriedenstellendes Saisonresultat ansehen würde, nachdem man von Dorfteams wie Texas Tech oder Baylor überrumpelt wurde. Ich meine, 2011/12 war aus Sooner-Sicht das Jahr. Nun dürfte es nach diversen Verlusten im Angriff wieder eine zeitlang dauern, bis das Team wieder selben Leistungsstand erreicht haben wird.

Was die Bears angeht, darf man sich ungeniert schon jetzt auf eine attraktive Bowl-Paarung freuen – wenn möglich gegen einen offensivstarken Gegner bei einem Over/Under von 90 Punkten.

Nachtrag – Die Highlight-Vids bei ESPN.com:

7 Kommentare zu “Baylor – Oklahoma und die Nachwehen

  1. Schöne Analyse.

    Griffin III find ich auch nen interessanten QB. Ich erinner mich, das in einem der letzten Baylor Spiele auch mal die Rede davon war, dass er vor hat, sich für London 2012 im (400m?) Hürdenlauf zu qualifizieren. Einfach ein kompletter Athlet, der wahrscheinlich in vielen Sportarten Erfolg haben könnte. Bin gespannt, ob er seinen Weg in die NFL findet.

  2. hab ihn bisher nur einmal gesehen, da lieferte er aber auch eine beeindruckende vorstellung mit 5td’s bei 0 int ab.
    wie setzt sich eigentlich das qb-rating im college football zusammen?

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